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Abschied von Hugo Probst †

Geboren2.5.1948CH-po-Probst Hugo-191-36A
Eintritt in die Missionsgesellschaft8.12.1970
Missionsseminar Schöneck: Schlosserei,
Ausbildung zum Automechaniker
1970–1974
Simbabwe: Leitung der Autowerkstatt
Gokomere, Lehrlingsausbildung
1975–1998
(1986-1988: medizinische Behandlung
in der Schweiz)
Regionalhaus Driefontein: Videothek,
Begleitung der Garage in Gokomere
1999–2013
Immensee: Markensammlung2013–2017
Verstorben30.11.2017

Würdigung von Hugo Probst

Liebe Teilnehmende am Auferstehungsgottesdienst von Br. Hugo Probst

Fast täglich hörten wir im Speisesaal ein markantes Lachen oder den kräftigen, aber schlürfenden Schritt auf dem Gang mit dem Takt des Spazierstockes. So wussten wir: Aha, das ist Bruder Hugo. Er erkämpft wieder einen neuen Tag.

Hugo war Solothurner, Mümliswil sein Dorf. Geboren 1948. Die Eltern August und Margrit. Mit ihm lebten seine Schwester Margrit sowie die Brüder Anton und Peter. Anton ist nun der letzte Überlebende der Familie.

Hugo schreibt in seinem kurzen Lebenslauf: «Ich hatte eine schöne Jugendzeit. Ich war viele Jahre in der Jungwacht, zuletzt noch als Scharführer. Nach der Sekundarschule lernte ich den Mechaniker-Beruf bei der ‹Von Roll Klus AG›. Im Militär war ich Panzerabwehr-Kanonier. 1969 trat ich in das Missionsseminar ein.»

Als Mechaniker konnte Hugo seine Kenntnisse teilen mit Bruder Dominik Neuhaus, denn 1970 begann für ihn das Noviziat auf der Schöneck. 1971 nahm er teil am gesamtschweizerischen Ordenskurs für Brüder und Ordensfrauen. Ein Jahr lang, wöchentlich zwei Vormittage. Dann ging’s nach London zum Sprachaufenthalt. Zehn Monate lang. Von 1972 bis 1974 machte Hugo eine zusätzliche Lehre als Automechaniker in Luzern, dann ging er nochmals nach London, da sich die Erteilung des Visums für Rhodesien verzögert hatte.

Endlich, im Herbst 1975 konnte Hugo reisen, ins Land der Mashona und Amandabele, eben nach Rhodesien/Zimbabwe. Für acht Monate kniete er sich ins Studium der Shona-Sprache. Dann ging’s auf nach Gokomere. Dort war die Garage der Diözese Gweru. Hier begann Hugo als Leiter der neuen Lehrlingswerkstätte junge Afrikaner als Automechaniker auszubilden. Das sei die schönste, aber auch strengste Zeit gewesen. Die Garage war überlaufen von Kunden; denn es gab so viele nicht besonders gottbegnadete Autofahrer in der Diözese. 25–30 Autos im Monat für Reparaturen und Service. Wirklich eine Menge Arbeit, und nicht gerade die sauberste. Zehn Jahre lang leitete Hugo diese Garage und die Ausbildung der Lehrlinge.

Und dann kam es für ihn wie ein Hammerschlag: Schlimme Erkrankung, Gehirntumor. Abbruch der Tätigkeit in Afrika. Zurück in die Schweiz, Hirnoperation an der Uni-Klinik in Zürich. In der Folge kam es zu Lähmungen. Hugo brauchte Nachbehandlungen und Therapien in Luzern und in Rheinfelden. Doch nach zwei Jahren konnte er wiederum nach Rhodesien/Zimbabwe zurück, an den alten Platz: die Garage und Werkstatt Gokomere. Die Ausbildung von Lehrlingen ging weiter. Drei pro Jahr. Die Lehrzeit dauert drei bis vier Jahre. 1988–2013 konnte Hugo über 100 Lehrlinge ausbilden mit staatlichem Diplom.

Später ging die Leitung der Gokomere Mission, Garage und Lehrlingswerkstätte in afrikanische Hände über. Die SMB Mitbrüder zügelten nach Driefontein. Einmal im Monat fuhr Hugo nach Gokomere und unterstützte weiterhin die Lehrlinge und deren Leitung.

Da Hugo nun in Driefontein lebte, hatte Hugo mehr Zeit für das Regionalhaus in Driefontein. Er bemühte sich um eine Videobibliothek mit über 400 Videofilmen und um einen multichoice TV-Anschluss. Einige unserer älteren Mitbrüder wollten unbedingt europäischen Fussball sehen. Das ist bis heute so! Hugo hat diese Videofilme auch an Sekundarschulen ausgeliehen.

Dann kam eines Tages der Abschied für Hugo. Leider. Das war 2013. Mit gemischten Gefühlen verliess er das südliche Afrika. 26 Jahre lang stand Hugo im Dienst der lokalen Kirche in Rhodesien/Zimbabwe. Er schreibt: «Ich weiss, dass die vielen Tage und Jahre in Afrika nicht vergeblich waren.»

Josef Christen

Bruder Hugo als «Bruder-Missionar»

Durch die Operation des Hirntumors im November 1986 erlitt Br. Hugo starke Lähmungen an Arm und Bein rechtsseitig. Mit beispielhaftem Fleiss versuchte er durch längere, harte Physio-Therapien das Menschenmöglichste zu erreichen. Im September 1988 durfte er wieder nach der Gokomere Mission, Zimbabwe zurückkehren.
Auch nach seinem Umzug nach Driefontein fuhr er selber regelmässig nach Gokomere um den Lehrlingen ihre Ausbildung sicherzustellen. Als Mechaniker wusste er sich zu helfen, das Auto als Behinderter zu steuern.
Nach seiner Rückkehr in die Schweiz im Mai 2013 fand er Zeit für sein Hobby, Briefmarkensammlung und Markenhandel. Um sein beschränktes Gehvermögen nicht zu verlieren, machte er auch regelmässig Spaziergänge, bei denen er sich oft überforderte. So benötigte er vor zwei Jahren ein neues Gelenk am linken Knie. Sein rechter Fuss war unbeweglich und brauchte einen Spezialschuh.
Hugo war überzeugter Missionar und ertrug seine häufigen Schmerzen im Sinne der Nachfolge Christi. Trotz seiner Behinderung behielt er seinen Frohsinn und Humor. Er schätzte die Geselligkeit unter Mitbrüdern. Er hatte aber auch einen starken Willen und wusste sich durchzusetzen.
Während der letzten Monate hatte er zusehends mehr Mühe beim Sprechen; er fand die Worte nicht mehr. Nach der Herzklappen-Operation konnte er keinen ganzen Satz mehr aussprechen.
Sein Bruder Toni besuchte ihn in den letzten 10 Tagen täglich im Kantonsspital. Doch bald reagierte Hugo nicht mehr und fiel ins Koma.
Am 30. November durfte er zu seinem Schöpfer zurückkehren.

Ludwig Hochreutener

PS. Am Schluss seines Testamentes schreibt Hugo: «Mit frohem Gruss, und bitte Kopf hoch, denn ich bin euch nahe.»                 Josef Christen