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Abschied von Karl Fässler †

Faessler KarlGeboren: 28.5.1932.
Priesterweihe: 22.3.1959.
Leiter der Missionsstationen Holy Cross und St. Joseph: 1960–1967.
Pfarrer der Kathedralpfarrei in Gweru,
Dekan: 1968–1980.
Leiter der Missionsstation Gokomere: 1981–1986.
Leiter der Missionsstation Bondolfi: 1987-1999.
Pfarrer in Triangle: 2000–2002.
Missionshaus Bethlehem: Seelsorger
und Mitglied verschiedener Chöre: 2002-2015.
Verstorben: 30.7.2015.

Wo man singt, da lass dich nieder; böse Menschen haben keine Lieder (nach J. G. Seume)

Abdankung bei der Auferstehungsfeier

2009 erhielt der verstorbene Karl Fässler, einfacher gesagt, unser Kari eine Karte von der Dirigentin eines Laienchores. Sie schrieb: „Geschätzter, lieber Kari, es gibt Menschen, die müsste man erfinden, wäre es Gott selber nicht in den Sinn gekommen. Ich freue mich herzlich, dich kennen und schätzen zu dürfen. Deine frohe und erquickende Art tut nicht nur mir gut, sondern dem ganzen Chor. Genug, wirst Du jetzt denken, aber einmal im Jahr darf man sagen, was zu sagen ist.“ Diese Worte sagen viel aus über unseren lieben Kari. So haben ihn viele erlebt.

Seine Herkunft ist Haltikon, im Bezirk Küssnacht. Er stammte aus einfachen Verhältnissen. Kari durfte studieren, in Rebstein und im Gymnasium Immensee. Im Seminar Schöneck studierte er Philosophie und Theologie. 1959 erhielt er die Priesterweihe und die Destination für Simbabwe (früher Südrhodesien). Die Primiz feierte er in Küssnacht, die Nachprimiz in Haltikon. Kari wurde 1 Jahr Pastoration in England angeboten. Das nahm er gerne an und konnte somit seine Englisch-kenntnisse aufbessern.

1960 reiste er nach Südrhodesien. Kari hatte ein gutes Musikgehör und lernte Shona, die einheimische Sprache, sehr leicht. Zudem war er sehr interessiert an der afrikanischen Kultur, der Vakaranga.

Nach dem Sprachstudium wurden ihm die Aussenstationen und Schulen der Holy Cross Mission anvertraut. Drei Jahre später übernahm er die Verantwortung für die Joseph’s Pfarrei im Chilimanzi-Gebiet der Diözese Gweru. Nach weiteren vier Jahren wurde er als Pfarrer an die Kathedrale von Gweru berufen. Hier konnte er nicht nur sein Sprachtalent (Englisch und Shona) und sein seelsorgerliches Gespür entfalten, sondern auch seine gesanglichen Fähigkeiten; das ging so weit, dass er im Messias von Händel Solopartien sang. Er sang in vier verschiedenen Chören. Er liebte auch Musicals: My fair lady, The fiddler on the roof. Kari hatte ein grosses Stimmvolumen, vom Bass bis zum Tenor.

Nach zwölf Jahren wurde er Leiter von Gokomere, der grössten Station der Diözese mit einer beachtlichen Mittelschule (über 1000 Schüler und Schülerinnen), einer Reihe handwerklicher Betriebe, an denen Afrikaner eine Lehre absolvieren konnten. Zu Gokomere gehörte auch eine grosse Farm mit einem grösseren Viehbestand.

Es war ein Prinzip von Bischof Häne: Missionare müssen mobil bleiben, keiner darf sich je an einem Posten festklammern. Nach sechs Jahren wurde Kari nach Bondolfi versetzt, dem florierenden Zentrum für LehrerInnen-Ausbildung. Kari machte sich hier ein Hobby daraus, die verwandtschaftlichen Zusammenhänge seiner Pfarreiangehörigen zu erforschen. Wirklich eine komplizierte Sache, die jedoch viel zum Verständnis der sozialen Schichten des Shona-Volkes (Vakaranga) beiträgt. Er erzählte gerne Shona-Märchen und Tiergeschichten und würzte damit seine Predigten. Er brauchte auch gerne Shona-Sprichwörter, um etwas träf zu sagen.

Als dann der südliche Teil der Diözese Gweru abgetrennt zur selbständigen Diözese Mazvingo erklärt wurde, rief ihn Bischof Bhasera zu dessen Finanzadministrator. Doch Kari fühlte sich bei Menschen wohler als bei Zahlen und so wechselte er rasch wieder in die Seelsorge zurück. Im Süden des Landes leitete er die Pfarrei Triangle.

2002 war er zu einem Krankheitsurlaub in der Schweiz. Da entschied er sich, schweren Herzens, in der Schweiz zu bleiben, denn Zimbabwe war für ihn zur zweiten Heimat geworden. Er liebte das Volk und sein Humor und sein Lachen erleichterten den Zugang zu seinen Leuten.

Kari schreibt in seinem Testament: „Der Herr hat mir ein Lachen geschenkt.“ Das ist der Titel eines Büchleins und er sagte: „Ich habe an diesem Büchlein richtig Freude gehabt, weil es mir gleichsam aus der Seele sprach. Ich habe oft im Leben etwas zum Lachen gehabt, einschliesslich der Freude an gelungenen Witzen.“ Und die konnte er gut erzählen und traf die Pointen. In seinem Testament hat er zwei Witze aufgeschrieben. Dem Kari zuliebe erzähle ich einen:

„Oder jener Vater, der seinem Buben beibringen will, dass er beim Grüssen nicht einfach sagen soll „Grüetzi“, sondern auch freundlich fragen soll, wenn sie Äpfel auflesen: ‚So gits wohlus?‘; oder wenn sie Gras mähen: ‚ So, hautses?‘ Später sieht der Bub einen Leichenzug mit Ross und Wagen. Er bleibt am Strassenrand stehen und ruft zum Pfarrer auf den Bock hinauf: ‚So, hend er wieder es Fueder?‘ –

Das war Kari. Er wusste einen Haufen Witze und erzählte sie mit grosser Freude. Er sang in verschiedenen Chören: in Merlischachen, Küssnacht, Amadeus Chor und i Cantanti. Das erleichterte das Heimweh nach Afrika.

Er war nicht nur ein begabter Sänger und Witzeerzähler, auch als Jasser mit viel Temperament war er bekannt. Das ging aber so weit, dass er das Jassen aufgab, weil manchmal sein Temperament mit ihm durchbrannte. In der Kirschen- und Obsternte half er oft unserem Pächterpaar beim Früchte pflücken und erzählte von der Leiter herunter seine Witze, besonders jene von Güntere Bälzl vom Muotathal. Das war Kari. Manchmal schrieb er auch kleinere Gedichte und hielt originelle Predigten; z. B. weil Jesus in einem Schafstall (oder Gade) geboren wurde, „hed Jesus au gädelet!!“ Solange das noch gut ging, stimmte er auch gerne die Lieder im 9-Uhr-Gottesdienst an.

Weil die Krankheit ihm immer mehr zu schaffen machte, wechselte Kari vor drei Jahren auf die Pflegeabteilung des Missionshauses. Im Testament schreibt er ehrlich: Ich bin ja bekannterweise oft in meinem Leben von Depressionen geplagt worden. Deswegen kehrte ich in die Schweiz zurück. Das mag vielleicht ein Stachel in meinem Fleisch gewesen sein, damit mein Übermut nicht überborde. Er zitiert hier Paulus.

Unser Kari war ein Mensch mit Gemüt, Herz und ein beliebter Missionar und Seelsorger. Er bewahrte gute Bodenständigkeit und interessierte sich für das Weltgeschehen, las auch viel über Geschichte und liebte Krimis am Fernsehen.

In den letzten Monaten verliessen ihn seine Kräfte zusehends. Und er wurde still und langsam. Friedlich durfte er von uns gehen.

Sein Schlusssatz im Testament heisst: Aber einmal im Himmel, gedenke ich, mich in Überfülle zu freuen.

Wir sagen: Leb wohl Kari – Chisarei Baba Charisi, wie die Shonaleute ihn nannten.

Immensee, 31. Juli 2015                                                    Josef Christen

Der Herr hat mir ein Lachen geschenkt