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Abschied von Xaver Ineichen †

Ineichen XaverGeboren   18.  4. 1927.
Priesterweihe   3. 4. 1955.
Seelsorger/Pfarrer in Simbabwe:
Gwelo, Serima, Holy Cross, Berejena   1957-1967.
Beauftragter für Katechese der Diözese Gwelo   1968-1977.
Seelsorger: Zhombe, Chiredzi,
Beitbridge, Gweru, Loreto, Madamombe   1978-2002.
Seelsorger in Oberrickenbach    2002-2005.
Heimseelsorger in Hitzkirch   2005-2011.
Verstorben   12. 11. 2015.

Nachruf bei der Auferstehungsfeier am 24. Nov. 2015:

Als Paulus den Brief verfasste, aus dem wir soeben gehört haben, war er ein alter Mann, schwach, und dem Tode nahe. Er wusste, er war dem Lebensende nahe: „Es bleibt mir nicht mehr viel Zeit.“ So zieht er Bilanz über sein Leben. Er erinnert sich an den Einsatz, den er über Jahrzehnte geleistet hat, unter Schweiss und Tränen, unter Misserfolg und Missverständnissen. Aber auch an seine körperlichen Schwächen dachte er, von denen er einmal berichtete, dass er den Herrn gebeten habe, ihn davon zu befreien. Aber Paulus konnte sagen: „Der Herr war bei mir. Er hat mir Kraft gegeben, so dass Menschen aus aller Welt die frohe Botschaft hörten.“

Wenn wir jetzt auf das lange Leben unseres Mitbruders Xaver Ineichen zurückschauen, dann kommt mir ehrlicherweise das Vorbild des Apostels Paulus in den Sinn: da ist einmal Xaver’s kleine Gestalt, seine angeborene Scheuheit, seine leise Stimme, die man kaum hörte und verstand. Und in seinem eigenen ausführlichen Lebensbericht zählte er verschiedene Ereignisse auf, bei denen die Dinge nicht liefen, wie er sich gewünscht und erhofft hatte.

Aber dann das Phänomen, dass er mit einer Begeisterung klar und ausführlich wie ein Paulus predigen konnte und man jedes Wort perfekt verstand und man sich fragte: woher hatte er dies alles? Ich denke auch an die ungezählten katechetischen Handbücher, Katechismen und Anleitungen für den Katechismusunterricht, Fernkurs für katholische Glaubenslehre usw., die Xavi verfasste, so dass man sich fragte: Woher findet er nur die Zeit, die Kraft, Energie und Ausdauer, um all dies zu produzieren? Ich erinnere mich an die Zeit im Priesterseminar, als wir in einem Proseminar ein Jeder eine Buchbesprechung machen musste. Die Buchbesprechung von Xavi war fast länger als das Buch, das er zu besprechen hatte!

Aber alles schön der Reihe nach: Xaver Ineichen wurde am 18. April 1927 in eine Bauernfamilie mit mehreren Geschwistern in der luzernischen Bauerngemeinde Lieli, Pfarrei Kleinwangen, im Seetal über dem Baldeggersee geboren. Dort besuchte er die lokale Schule und wurde auch schon früh vertraut mit den politischen Verhältnissen und Streitereien der Luzerner Konservativen und Freisinnigen. Weil er die Berufung zum Priester und Missionar verspürte, besuchte er das Gymnasium in Immensee, das er 1948 mit der Matura abschloss. Er schloss sich 1949 der Missionsgesellschaft Bethlehem an und wurde nach dem Philosophie- und Theologie­studium im Seminar Schöneck am 3. April 1955 zum Priester geweiht. In Kleinwangen feierte er die Primiz. Noch im gleichen Jahr wurde er als Missionar nach Rhodesien ausgesandt. An der Universität in Kapstadt studierte er neben der Shona Sprache Native Law und Social Science.

Und wurde dann in die Missionsarbeit eingesetzt, zunächst wie er sagt als ‚Lehrbueb‘ in der Stadtpfarrei Gwelo und auf der Serima Missionsstation. 1962 übernahm er die Berejena Mission als Stationsoberer, die sich in einem rapiden Ausbau als Schulzentrum und Wachstum an Messzentren befand. Xaver Ineichen erntete sich in der Shona-sprache den Übernamen ‚Matare‘, was ‚Räte‘ bedeutet und auf seinen Eifer hinweist, überall in den wachsenden Christengemeinden Pfarreiräte zu bestellen und sie in die kirchlichen Aufgaben einzubeziehen.

Die neun Jahre von 1968 bis 1977 waren der Höhepunkt seiner missionarischen Tätigkeit: Der Posten eines diöze­sanen Verantwortlichen für den Religions­unter­richt und das Gokomere Training Centre wurden geschaffen und Xavi Ineichen als Erster dafür bestimmt. Am Gaba Institut in Uganda erhielt er dazu eine verkürzte Ausbildung und lernte damit auch die Verhältnisse in einem unabhängigen afrikanischen Land kennen. Unter seiner Führung wurden die amtlichen Katecheten zu einer festen Institution der Ortskirche. Er war unermüdlich tätig, sie aus- und weiterzubilden und Material für ihren Gebrauch zu schaffen. Er verstand es auch, die Katechisten für die Geschichte der Mission in Rhodesien zu interessieren und Elemente der afrikanischen Tradition in das christliche Leben zu integrieren, so dass das Christentum keineswegs nur als europäische Lehre akzeptiert wurde.

Die entscheidenden Jahre des zimbabwischen Unabhängigkeitskrieges erlebte Xavi Ineichen auf einem Missionsposten in der äusserst schwierigen Randzone der Diözese Gwelo, wo die Fronten der zwei Befreiungsarmeen ZANLA und ZIPRA zusammentrafen, aber auch die durch die Regierung unterstützten ‚Auxiliaries‘ ihr Unwesen trieben. Es brachte ihn zeitweise in äusserst heikle Situationen.

Nach der Unabhängigkeit von Zimbabwe war der Verstorbene in missionarischen Zonen des Südens der Diözese Gwelo tätig, zunächst von Jan. 1982 bis Dez. 1987 in Chiredzi und von 1988 bis 1991 an der Grenze zu Südafrika in einem flächenmässig riesigen Gebiet um Beitbridge. Es fällt auf, wie er bemüht war, die Bildung von lebendigen kirchlichen Gemeinden mit vielseitiger Entwicklungsarbeit zu verbinden (z.B. mit einem Training Centre mit Schreinerei, Schneiderei, Backstube). Es brachte ihm viele Belastungen und Sorgen, auch finanzieller Art. So war es ihm wohl eine Erleichterung, als ihn der Bischof zum Administrator der Kathedralpfarrei in Gweru machte, den Posten, den er in seiner Art zwei Jahre lang sehr aktiv betreute.

Daran reihten sich nochmals zwei missionarische Einsätze, zunächst auf der Loreto Mission zusammen mit einem zimbabweischen Priester, und dann in der Madamombe Pfarrei, welches die ehemaligen Aussenzentren von Masvava im Chivi Gebiet umfasste. Auf Ende 2001 bat er um Demission und Rückkehr in die Schweiz. Aber hier war er keinesweg untätig und er wollte zurück in die priesterliche Seelsorge. So wurde er für drei Jahre Pfarrer im bäuerlichen Oberrickenbach im Kt. Obwalden. Dann übersiedelte er in das Alterswohn­heim Chrüzmatt in Hitzkirch, wo er bis 2011 unter den betagten Heimbewohnern aus der engeren Heimat Seelsorge leistete. Sein gesundheitlicher Zustand legten eine Rückkehr ins Mutterhaus in Immensee nahe, wo auch bald eine Verlegung in die Pflegeabteilung nötig wurde. Er nahm die Dienste des Personals in Dankbarkeit und Geduld an. Er verstarb friedlich am 20. November 2015.

Seine Mitbrüder hatten Xavi zweimal zum Delegierten an einem Generalkapitel der Missionsgesellschaft gewählt. Dort gab er einmal mehr Zeugnis von seinem missionarischen Auftrag, als er mithalf, diesen auch wörtlich zu formulieren. Dort heisst es:

„Wir glauben an Jesus, unseren Erlöser und Befreier.
Wir verkünden Jesus,
den Gekreuzigten und Auferstandenen:
er bricht die Macht des Bösen
und richtet auf das Reich der Gerechtigkeit und des Friedens.
Für den Dienst an diesem Reich beruft er uns als seine Jüngergemeinde.
Das ist der Grund unserer Freude.“

Wir beten, dass Xaver Ineichen jetzt für seinen langen und unermüdlichen missionarischen Dienst den Jüngerlohn empfange.