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China-Tag im Kloster Einsiedeln

Samstag, 25. Mai 2019

Aufruf zum Gebet für Kirche und Christen in China

Am 23. Mai des vergangenen Jahres rief Papst Franziskus am Ende der General­audienz zum Gebet an die «Madonna ‘Hilfe der Christen’» nahe des Wallfahrtsortes Sheshan bei Schanghai auf. An die Katholiken in China gerichtet sagte der Papst: «Die Weltkirche betet mit euch und für euch, damit ihr euch auch inmitten der Schwierigkeiten weiterhin dem Willen Gottes anvertrauen könnt».

Der Aufruf von Papst Franziskus erfolgte anlässlich des Weltgebetstags für die Kirche in China den Papst Benedikt XVI. am 24. Mai 2007 eingeführt hatte. Seither wird in vielen Kirchen auf der ganzen Welt am 24. Mai für die Christen in China gebetet.

In der Schweiz wird durch die Initiative der ökumenischen Gesellschaft Schweiz-China seit 2008 jedes Jahr durch eine Gruppe engagierter Frauen und Männer verschiedener Denominationen ende Mai für die Christen und Christinnen in China gebetet und über die aktuelle Situation in China informiert. Gleichzeitig werden die Pfarreien dazu eingeladen, in ihren Gottesdiensten am 24. Mai in den Fürbitten für die Christen Chinas zu beten.

Erster China-Tag in Einsiedeln vor 11 Jahren

Durch die Einladung von Abt Martin Werlen lebten zwei chinesische Priester einige Zeit in der Einsiedler Klostergemeinschaft. Es war deshalb naheliegend, die ersten beiden China-Tage (2008 und 2009) im Kloster Einsiedeln abzuhalten.

Die Beziehungen zwischen Benediktinern und China haben eine lange Tradition. So wurde die erste katholische Universität in Beijing auf Bitten des Papstes Pius XI. 1925 von amerikanischen Benediktinern gegründet.
Was aber kann heute als interkulturelle Brücke dienen?

Die zutiefst christliche Verbindung zwischen Einsiedeln und China bildet das Marienheiligtum in Shanghai, das „Maria, der Mutter Chinas“ geweiht ist. Die Sheshan-Basilika im Westen der Metropole Shanghai dient als Pilgerstätte für China und darüber hinaus für die gesamte Region Ostasien. Die gläubige Atmosphäre einer der grössten Kirchenbauten in ganz Ostasien und ihre Anziehungskraft – weit über Shang­hai hinaus – ist in etwa mit der Bedeutung von Einsiedeln vergleichbar.

Zielgruppen

Der Weltgebetstag für China am 24. Mai 2007 darf nicht als Eintagsfliege missverstanden werden. Vielmehr soll dieser Mariengedenktag jährlich die Solidarität der Katholiken in aller Welt mit den chinesischen Schwestern und Brüdern fest verankern. Angesprochen sind Klöster und Missionsgesellschaften, die früher eine Beziehung zu China hatten oder heute noch haben; die Schweizerische Bischofskonferenz mit ihren weltkirchlich-orientierten Einrichtungen; die Schweizer Katholiken, denen der Dialog mit China ein Anliegen ist; die Mitglieder und Freunde der Ökumenischen Gesellschaft Schweiz-China; alle Menschen, die am interkulturellen und interreligiösen Dialog mit China interessiert sind und schliesslich Menschen und Einrichtungen, die eine Antwort auf die spirituelle Herausforderung Chinas an Europa suchen.

Missionare haben in der Vergangenheit kräftige Spuren in China hinterlassen. So liegt das Grab des Schweizer Jesuiten-Bruders Franz Stadlin aus dem Kanton Zug mitten in der chinesischen Hauptstadt Beijing. Er lebte 33 Jahre am chinesischen Kaiserhof. Dort starb er 1740 im Alter von 82 Jahren. Hochgeschätzt waren seine physikalischen Kenntnisse und seine feinmechanischen Fähigkeiten. Er baute für die chinesischen Kaiser Kangxi und Qianlong kostbare Uhren und komplizierte Automaten. Die vom Kaiser verfasste Inschrift auf seinem Grabstein sagt, dass Bruder Franz aus der Schweiz nach China kam, um für den christlichen Glauben Zeugnis zu geben.

Vor etwas mehr als hundert Jahren starb in China einer der bedeutendsten Missionare seiner Zeit, der Steyler Missionar Pater Josef Freinademetz, Dieser mutige Bauernjunge aus Südtirol wollte den Chinesen ein Chinese sein. Er sprach und schrieb Chinesisch. Aber seine Lebenserfahrung war:
Die Sprache der Liebe ist die einzige Sprache, die alle Menschen verstehen.

Nachmittagsprogramm

Die wirtschaftliche und technologische Globalisierung wird kaum zu einer nach­haltigen Verbesserung der Lebensbedingungen führen, solange wir Menschen nicht ein Mindestmass an humanen Werten teilen und die Werte des andern besser kennen lernen. Dazu leistet der Vortrag von Prof. Dr. iur. Dr. phil. Harro von Senger am Nachmittag einen wich­tigen Beitrag. Der „meistgelesene Autor der westlichen Chinaforschung“ hilft mit seinem Buch „Moulüe – Supraplanung“, China etwas zu entschlüsseln. „Wer nicht für 10.000 Generationen plant, vermag nicht für eine Ära zu planen“. Dieser in der Volksrepublik China viel zitierte Sinnspruch lässt den ungewöhnlich langen Atem chinesischen Zukunftsdenkens, wie es etwa im Seidenstrassen-Projekt zum Ausdruck kommt, erahnen. Das ist eine Dimension der Supraplanung. Die zwei­te besteht in einem ganzen Fächer von Problemlösungsoptionen. Harro von Senger gibt uns eine spannende Einführung in dieses die chinesische Führung inspirierende Konzept der Zukunftsgestaltung.

Nähere Auskünfte:
Dr. B. Fischer Züger, bmi_asia@yahoo.de
P. Philipp Steiner OSB, wallfahrt@kloster-einsiedeln.ch

Samstag, 25. Mai 2019

China-Tag
im Kloster Einsiedeln

   

11:15     Konventamt mit chinesischen Elementen
              in der Klosterkirche

 14:00   Vortrag von Prof. Dr. iur. Dr. phil. Harro von Senger
              im Barocksaal des Klosters