sprachen

Der Herr hat mir ein Lachen geschenkt

Würdigung des Lebens von Karl Fässler durch einen Mitbruder:

Wenn ein lieber Mitmensch von uns geht, können wir unsere Gefühle nicht mit Worten allein ausdrücken. Der Philosoph Wittgenstein hat uns darum ermuntert: Was Worte nicht vermitteln können, das sollen wir mit Symbolen sagen: Für manche Christen ist das Kreuz das Symbol des Lebens schlechthin:

Wenn wir einen lieben Mitmenschen in die mütterliche Erde betten, heben wir das Kreuz hoch und stecken es darnach aufs Grab: nicht so sehr als Zeichen unseres Schmerzes oder unserer Trauer, sondern als Zeichen unserer Hoffnung. Denn wir glauben: ausgerechnet am Kreuz hat Jesus den Tod besiegt und das Leben und die Freude neu besiegelt. Kari, der so gerne Witze erzählte, hat darum gut lachen! Das Schöne daran: er lässt uns an seinem Lachen teilhaben.

Kari hinterliess uns ein Vermächtnis, das er mit grossen Lettern betitelte: MEIN TESTAMENT: DER HERR HAT MIR EIN LACHEN GESCHENKT! Jemand hat ihm mal ein Büchlein mit diesem Titel vermacht, das ihm grosse Freude bereitete, konnte er sich doch sofort damit identifizieren: „Wenn der Tod mal wirklich auf mich zukommt“, sagte er sich, dann „lache ich ihn aus“: «He, Tod, wo ist dein Stachel, wo ist dein Sieg?» Dieses Lachen sei eine Frucht der Auferstehung Jesu. Gern erzählte Kari den folgenden Witz:

Ein Pfarrer wurde mitten in seiner Siesta aufgeweckt und zu einem Ster­benden gerufen: „Herr Pfarrer, chömid gleitig, mid üsem Grossvater gads ums letscht.“ Sofort pustet der Pfarrer los – den steilen Berg hinan! Auf halbem Weg geht ihm der Schnauf aus und so setzt er sich an den Wegrand. Und schon kommt jemand von oben her gerannt. „Herr Pfarrer, prässierid, prässierid Si! Es gad wirkli ums letscht!“ Der Pfarrer ganz väterlich: „Ich mag i Gotts Name nümme! Und überhaupt: Falls de Grossvatter obsi gad, isch er ja uf em richtige Wäg, und wener nidsi chunt, verchunder mer ja!“

Karis Wunsch – auf dem Sterbebett zu lachen – war wohl realitätsfremd. Hingegen die Definition von Humor, die wir uns bereits in der Jugend an­geeignet haben, hat viel für sich: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht!“ Humor ist nicht nur eine Gabe, sondern auch eine Auf-Gabe: jetzt gilt es, sich erst recht mit den Leidenden zu identifizieren,

Allerdings, kann man denn lachen, wenn die Guerillas in Rhodesien drei unsrer Missionare umbringen, ausgerechnet jene, die sich für die Afrikaner besonders stark gemacht hatten? Kommt hinzu: der ursprünglich vorbildli­che erste Präsident von Simbabwe, Mugabe, verstrickte sich zusehends in Korruption und liess sein Land verarmen, während er selber in Prunk dahin­schwelgt und sich Lord Acton’s Wort bewahrheitet: „Power tends to corrupt, absolut power corrupts absolutely.“

War nun unsere langjährige missionarische Aufbauarbeit in Rhodesien/Sim- babwe umsonst? Keineswegs! Denn das solide „Fundament“, das da gelegt worden war, scheint bis auf den heutigen Tag einigermassen darzuhalten, auch wenn gewisse Abstriche gemacht werden müssen; es hilft auch der gegenwärtigen Bevölkerung die „mageren Jahre“ zu überleben. Da sind z.B. die Primär- und Mittelschulen, die medizinische Grundversorgung mit dem weiten Netz von Kliniken, Spitälern, Bushapotheken usf.: noch heute leisten die Schweizer „nachhaltige Hilfe“ schrieb vor kurzem die „taz“. Woimmer Kari in Rhodesien/Simbabwe tätig war, war er häufig der Verantwortliche der betreffenden Missionsstation mit der Kirche, dem Spital, den Schulen und den Werkstätten…

Leider bekam es Kari in Simbabwe schliesslich mit Depressionen zu tun, welche seine Rückkehr in die Schweiz nahe legten. Umso mehr konnte er daheim wieder seinem Hobby fröhnen: dem Gesang, stammt er doch aus einer musikalischen Familie. Sein Vater dichtete das Katharinalied von Haltikon, das recht hohe Anforderungen stellt. Als Kari noch in Gwelo in der Kathedralpfarrei wirkte, war er eine Stütze des „Stadt-Chores von Gwelo“ und sang anspruchsvolle klassische Solos und bei den „Tudor- Singers“ herausfordernde Motetten. Zugute kam ihm sein ungewöhnlicher Stimmumfang, konnte er doch sowohl Tenor wie Bass singen.

Ich schliesse mit einem Zitat von Sir Yehudi Menuhin: Das Singen ist die eigentliche Muttersprache aller Menschen: denn sie ist die Natürlichste und einfachste Weise, in der wir ungeteilt da sind und uns ganz mitteilen können — mit unsern Erfahrungen, Empfindungen und Hoffnungen. Das Singen ist zuerst der innere Tanz des Atems, der Seele, aber es kann auch unseren Körper aus jeglicher Erstarrung befreien und uns den Rhythmus des Lebens lehren. Singen gehört fraglos zur Natur des Menschen.

Gloria in excelsis Deo, et in terra pax hominibus!

Paul Ehrler