sprachen

Georg Schelbert unter seinen Mitbrüdern

Prof. em. Georg Schelbert SMB

P. Georg Schelbert SMB, Prof. em.

Sehr geehrte Angehörige und Verwandte von Georg Schelbert, liebe Trauergemeinde,

manche von uns haben Georg Schelbert zuerst im Missionsseminar Schöneck erlebt, in erster Linie als Professor für Altes und Neues Tes­tament. Da bekamen wir mit, wie die Heilige Schrift nach den neuesten Erkenntnissen zu untersuchen und auszulegen ist. Er konnte sich lange Zeit mit einem einzigen Text befassen. Gelegentlich ging er für uns dabei zu sehr ins Detail. Aber wir erhielten eine Grundlage für einen verant­wortungsvollen Umgang mit der Bibel. Auch wenn Georg selber, was den Glauben betraf, radikal und gelegentlich auch etwas zelotisch sein konnte — ein Fundamentalist ist er nie gewesen, davor bewahrte ihn wohl der fachgerechte Umgang mit der Heiligen Schrift. In der Liturgie legte er uns in seinen Predigten oft das Wort Gottes aus, mit Geist und Feuer.

Im alltäglichen Betrieb des Seminars hatte Georg die Aufgabe des DP, des Disziplinarpräfekten, zu erfüllen. Das war keine leichte Aufgabe, er stand dabei zwischen den Vorgaben der Generalleitung und den Bestre­bungen der jungen, oft allzu lebendigen Mitbrüder.

Was unsere Gemeinschaft als ganze betrifft, war Georg wie kaum ein anderer der Fachmann für die Bethlehem-Spiritualität und ihre Ge­schichte. Er hielt uns Rekollektionsvorträge über Einzelheiten unserer missionstheologischen Herkunft. Am Generalkapitel 1967 war er mass­gebend an der Neufassung der Konstitutionen beteiligt. Dieses Kapitel hatte ja die Anregungen des Zweiten Vatikanischen Konzils aufzuneh­men. Dazu war Georg besonders kompetent, hatte doch in mehreren Artikeln die Stellung des Mis sions dekrets ,Ad gentesc im Gesamtwerk des Konzils untersucht. Man geht kaum fehl in der Annahme, dass das Konzil auch anderweitig auf ihn eingewirkt und den kirchlichen Hori­zont noch mehr geöffnet hat, so dass er gerade auch in den letzten Jah­ren gewisse verengte Auffassungen seitens der Amtskirche kritisieren konnte.

Seine spirituelle und theologische Kompetenz kam vielen auch über die Schweiz hinaus zugute. Unseren Mitbrüdern in Simbabwe, Japan, Taiwan und Kolumbien gab er Exerzitien und Vorträge; in Tansania auch den Benediktinern. In Fribourg stellte er sein Wissen der „Gemeinschaft der Laienmissionarinnen“ zur Verfügung, und mit den KanisiusSchwestern feierte er während Jahren die tägliche Eucharistie.

Georg war indessen mehr als der Professor und Forscher — er war ein Mensch. Nicht alle von uns konnten die Ideale der Einfachheit und Ar­mut so wie er realisieren. Luxus war ihm fremd. Auf Dinge, die wir für notwendig halten, konnte er verzichten. Die Zahnärzte haben an ihm schon lange nichts mehr verdient! – Das Haus, das die SMB in Fribourg geschenkt erhalten hatte und in dem er jahrelange wohnte, besass keinen Lift und keine Zentralheizung; so trug er, der schon Herzkranke, die Kohlensäcke auf seinem Buckel bis zum vierten Stock hinauf. Auf dem alltäglichen Hintergrund dieses einfachen und unspektakulären Lebens beginnt sein wissenschaftliches Engagement erst recht zu leuchten.

Darüber orientiert uns nun der Dominikanerpater Adrian Schenker, der als Professor für Altes Testament an der Uni Fribourg gelehrt hat.

Fritz Kollbrunner SMB

Würdigung von Prof. Adrian Schenker OP
Bilder von der Beerdigung