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Kursleiterkurs in Singapur

Singapur-1Seminar für chinesische Priester und Schwestern, Sept. 2015: „Christus in der Gemeinschaft begegnen“

1. Hintergrund

Viele der chinesischen Schwestern, Priester und Seminaristen, die an unsern Seminaren für Kommunikative Theologie in der Schweiz teilgenommen haben, und nach Abschluss ihrer Studien nach China zurückgekehrt sind, fühlen sich überfordert von den Herausforderungen, die an sie gestellt werden. Die meisten müssen gleichzeitig mehrere Rollen übernehmen. Dazu kommen die psychologischen Belastungen innerhalb wie ausserhalb der Kirche. Oft ist es schwierig, das in ihrem Studium gelernte umzusetzen und eine geeignete Methode der Zusammenarbeit mit ihren Mitbrüdern und Mitschwestern zu finden. Die Gefahr ist gross, dass sie schon nach wenigen Jahren körperlich und seelisch müde und verwirrt werden.

2. Methode und Ziel des Seminars

Durch praktische Übungen wurden nach den Bedürfnissen der Teilnehmenden Geist, Haltung und Methode der Kommunikativen Theologie repetiert und vertieft. Man tauschte aus, wie man im Team, im derzeitigen Umfeld in China, christliche Gemeinschaft aufbauen kann und wie man zu ganzheitlichen Begleitern wird.

3. Feedback der Teilnehmenden

Die Teilnehmenden bestätigten alle, dass sie im zehntägigen Seminar durch themenzentrierte Interaktion im offenen Meinungsaustausch, ein gesundes Selbstvertrauen und ein aufrichtiges Vertrauensverhältnis untereinander aufbauen konnten und nun so auf interaktive Weise den seelsorgerlichen Dienst ausüben können. Sie sind sich auch bewusst geworden, dass nur durch eine Zusammenarbeit von Priestern, Schwestern und Laien, die Kirche Chinas eine Hoffnung, eine Zukunft hat.

Die Teilnehmenden gaben immer wieder ihrer Freude und Dankbarkeit Ausdruck, dass sie Gelegenheit hatten, drei bis fünf Jahre nach ihrer Rückkehr nach China, an diesem Seminar teilnehmen zu können. Hier hatten sie Gelegenheit, über Schwierigkeiten in ihrer Arbeit auszutauschen, Verständnis und Unterstützung zu finden und einen gemeinsamen positiven Ansatz zur Bewältigung ihrer Situation zu finden.

Hoffnung: Konkrete Arbeit und zukünftige Mission

Am Ende des Workshops gründete die Gesamtheit der Teilnehmenden: <中國同舟團體>[1] (China, im gleichenBoot), eine Vereinigung für die Seelsorgenden in China, die den gegenseitigen, aufrichtigen Austausch im Herrn, Gemeinschaftsgeist und Förderung der Einheit zum Ziel hat. Alle Teilnehmenden wählten dann ein siebenköpfiges Kernteam, das für die Förderung der zukünftigen Zusammenarbeit und Interaktion in Evangelisierung und Pastoral verantwortlich ist. Alle Teilnehmenden verpflichteten sich, bei sich selber zu beginnen und mit einer aufrichtigen, offenen Haltung die Initiative zu ergreifen und in den Diözesen in denen sie wirken, mit andern Priestern und Schwestern, kleine christliche Gruppen zu fördern, die den Geist pflegen, den sie an unserem Workshop erfahren haben.

In China gibt es viele Priester und Schwestern, die wie sie im Ausland studiert haben und nach ihrer Rückkehr, aus was immer für Gründen, nicht mehr mit andern Verbindung pflegen, sich praktisch abschotten. Einige sind krank (physisch und/oder psychisch), es gab sogar einige, die Suizid begangen haben. Die Teilnehmenden betrachten nun den Kontakt mit diesen Kollegen und Kolleginnen als erste Priorität. Sie wollen sie ermutigen, an Seminaren wie, „In der Gemeinde Christus erfahren“, teilzunehmen, um so im gemeinsamen Glauben und in geschwisterlichen Liebe, die Gemeinschaft in Christus, Seine Berufung wieder zu erfahren und so den missionarischen, seelsorgerlichen Eifer in ihnen wieder zu entflammen.

Die Organisatoren empfehlen zudem den im Ausland (einschliesslich Taiwan) studierenden Priestern, Schwestern und Seminaristen, schon während des Studiums eine solche kleine <Gruppe von Christen im selben Boot> zu bilden und gleichzeitig mit der <Gruppe im selben Boot> in China in Kontakt zu bleiben. Gleich nach der Rückkehr sollen sie an den Aktivitäten dieser Gruppe teilnehmen. So können sie Einsamkeit vermeiden und mit Gruppenmitgliedern aus der gleichen Diözese zusammenarbeiten.

[1]   In Rom wurde nach unserm Workshop 2008 eine solche Vereinigung, „同舟“ (im gleichen Boot), gegründet, die seither für alle in Rom studierenden chinesischen Priester, Schwestern und Seminaristen offen ist und viele Teilnehmende von den verschiedenen Colleges anzieht.

Zusammenfassung

Solche Workshops könnten auch in China durchgeführt werden und zwar wesentlich billiger. Aber man müsste grosse Einschränkungen in Kauf nehmen, z.B. würde das unter den Augen der lokalen Regierung geschehen, sodass ein unbesorgter Austausch zwischen Teilnehmenden der offiziellen und der Untergrundkirche nicht gewährleistet werden könnte. Wenn also gemeinsame Anlässe nicht möglich wären, wäre der Erfolg solcher Workshops in Frage gestellt.

Obwohl dieser Praxis-Workshop in Singapur grosse menschliche und materielle Ressourcen in Anspruch nahm, ist es den grösseren materiellen und persönlichen Aufwand wert. Denn dass sich hier Priester und Schwestern, sowohl der offiziellen- wie der Untergrundkirche, treffen und in grosser Freiheit austauschen und an den gemeinsamen Sorgen Anteil geben konnten, wurde für sie nach ihrer Rückkehr nach China zu einem tiefen Erlebnis und zu einem eindrücklichen Zeugnis, dass Einheit möglich ist. Tatsächlich hat ein Priester der Untergrundkirche an unserem Kurs gemeint, er sei jetzt bereit, einen Priester der offiziellen Kirche, der in Deutschland studiert hatte, in seiner Gemeinde anzunehmen sodass daraus eine vereinigte Pfarrei entstehen könnte.

Die zwölf Priester und sieben Schwestern waren sehr berührt von der Gastfreundschaft, dem Service, der Betreuung und Begleitung der Mitchristen von Singapur, die die ganze Logistik für diesen ersten Kursleiterkurs übernahmen. Diese konkreten Liebesdienste inspirierten sie tief. Sie wollen nun diese Liebesdienste mit nach China zurückbringen und dort in ihrem eigenen Wirkungsfeld umsetzen.

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Einer der Teilnehmenden hat nach seiner Rückkehr, in der Guangzhou Diözese, die Leitung von zwei Pfarreien übernommen. In seinen Reflektionen sehen wir, wie der Kurs seine pastorale Haltung verändert hat. Er schreibt:

„Hallo, Schwester Rita, seit unserem Treffen in Singapur sind schon wieder zwei Monate vergangen. Ich vermisse Euch sehr! Am 14. Oktober 2015 habe ich die Leitung der Lourdes-Pfarrei in Shamian und der Antonius-Pfarrei in Tianhe übernommen, eine neue Pilgerreise. Obwohl das viel Betrieb mit sich bringt und ich sehr beschäftigt bin, fühle ich mich sehr bereichert und glücklich.

Das ist, was ich beim Amtsantritt geschworen habe, ich möchte es mit Dir, Schwester Rita, teilen:

Sehr verehrter Bischof, geehrte Priester, liebe Ordensschwestern und Gläubige und lobenswerte Bürger ausserhalb unserer Gemeinschaft. Dank dem allmächtigen, barmherzigen, dreieinen Gott, Dank der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria, Dank allen, die mich in aller Stille unterstützen und Dank euch Brüder und Schwestern im Herrn, die ihr zu dieser Feier meines Amtsantritts gekommen seid.

Ich habe viele Glückwünsche aus dem In- und Ausland bekommen, mit der Zusicherung von Gebet für unsere Pfarrei. Man gratulierte mir zu meiner Stellung als „Fürst“ und „Herr“ der Pfarrei. Aber ich weiss, dass ich nicht Fürst oder Herr bin. Ich bin nur ein demütiger Diener im Weinberg des Herrn der, wenn er das vom Herrn Beauftragte ausgeführt hat nur sagen kann: „Ich bin nur ein unnützer Diener, der getan hat was sich gehört. Heute sage ich jedem von euch Brüder und Schwestern ganz ehrlich: Die Pfarrei gehört nicht mir, sie ist das Vaterhaus des himmlischen Vaters. Der Grund warum ich in diese Gemeinde kam ist, dass ich Euch alle begleiten, mit euch an diesem Vaterhaus weiterbauen will. Ich will euch nicht „verwalten“, sondern euch begleiten, mit euch ein kleines Stück auf dem Weg sein, auf einer langen Wallfahrt, vielleicht den ganzen Weg zum Vater in die ewige Heimat.

Wie dem auch sei, ich werde mein Bestes tun, alle Brüder und Schwestern in der Gemeinde gleich zu behandeln, Euch alle in mein Herz zu schliessen. Ich werde euch jeden Tag, jeden Sonntag, dem Vater der Barmherzigkeit empfehlen, ich werde jeden Tag, jeden Sonntag für euch beten und das Messopfer darbringen. In diesem Vaterhaus sind eure Bedürfnisse auch meine Bedürfnisse, eure Sorgen auch meine Sorgen, euer Kummer auch mein Kummer, eure Hoffnung auch meine Hoffnung, eure Wünsche auch meine Wünsche, eure Zukunft auch meine Zukunft, eure Erfolge auch meine Erfolge, eure Misserfolge auch meine Misserfolge, eure Freude auch meine Freude, euer Schmerz auch mein Schmerz, euer Leid auch mein Leid, euer Glück auch mein Glück!“

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