sprachen

LEIVA 1971-80

Eine beruflich gemischte Equipe

Im Sommer 1970 trafen sich in Bogota die vier Mitglieder der sich neu bildenden Equipe: die Krankenschwester aus ihrem Einsatz in Haiti, die Sozialarbeiterin aus Brasilien, der Priester aus seinem Einsatz in München und der Agronom aus Immensee. Beim Sprachstudium, der Einführung in die Situation und die Verhältnisse in Kolumbien. lernte man sich kennen. Die junge Equipe unter Orientierung eines Sozialpsychologen. einigte sich auf die gemeinsame Arbeitsmethode des Brasilianers Paulo Freire http://de.wikipedia.org/wiki/Paulo_Freire .

Im Dorfe Leiva, in der Westkordillere, wo seit zwei Jahren unser Padre Fridolin Höin wirkte, begannen wir mit dem Besuch der Menschen in den Dörfern und Weilern. Es entstand so ein Bild der Wirklichkeit, in der die Leute lebten und schaffte eine erste Beziehung des Vertrauens zu den Menschen, mit denen wir uns auf den Weg begeben wollten, um mit ihnen das Leben zu teilen.

Dialog als Grundhaltung

Indessen orientierte sich jedes von uns nach seinem mitgebrachten Beruf. Die Krankenschwester hatte den bisher unbenützten Krankenposten schon nach wenigen Tagen voll von Patienten, der Priester wurde in die weitläufige Pfarrei geholt. Nur die Sozialarbeiterin und den Agronomen konnten die Campesinos nicht einordnen, sahen nicht, wofür sie zu gebrauchen waren. Mit Geduld suchten diese den Kontakt mit den Menschen und liessen nach und nach an ihren Vorschlägen interessierte Gruppen entstehen. Von einer systematischen strikten Arbeitsmethode nach Freire – Bewusstseinsbildung mit dem Ziel zu Veränderungen – blieb nicht mehr viel übrig. Trotzdem, die Gesprächshaltung den Menschen gegenüber, der Dialog als Grundhaltung, die Achtung vor der Meinung der andern, das Lernenwollen von ihnen, haben wir in allem versucht aufrechtzuerhalten.

Im Verlaufe der Jahre konnte die Krankenschwester eine Handvoll Mädchen als Krankenschwestern ausbilden, die Sozialarbeiterin hinterliess zuletzt eine für Verbesserungen gut motivierte Frauengruppe, gemeinsam als Team gestalteten wir einen sogenannten Leaderkurs für Männer und Frauen, nach dem nach einiger Zeit daran nicht beteiligte Frauen sich dahin äusserten, dass ihre Männer anders geworden wären: verantwortlicher, gesprächsbereiter, gewaltloser und offen für Veränderungen. Ebenso in Gemeinsamkeit und unter bautechnischer Leitung von Br. Carlos entstand ein Zentrum zur Beherbergung von Landkindern, das ihnen den Besuch der Dorfschule ermöglichen konnte.