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Nachruf für Br. Franz Portmann

01 CH-po-Portmann Franz-D121-11Liebe Geschwister, Anverwandte und Bekannte vom verstorbenen Mitbruder Franz Portmann,
liebe Mitbrüder, liebe Trauergäste

Seine Jugend und Ausbildung

Am Guthirtsonntag, den 21. April 2013 schreibt Br. Franz, habe er neu angefangen seinen Lebensweg aufzuschreiben. Es wurden daraus 10 Seiten, die ich verständlicherweise nicht vorlesen kann. Sonst wären wir mindestens für 2 ½ Stunden hier in der grossen Kapelle. So beschränke ich mich auf einige grössere Hobelspäne aus dem Leben unseres Bauern, Schreiners und Imkers, der sein Leben als tüchtiger Bruder der Missionsgesellschaft und ihrer Mission in Rhodesien / Zimbabwe zur Verfügung gestellt hat.

Br. Franz stammte aus dem Entlebuch. Er kam am 24. Februar 1930 zur Welt. Sein Daheim war zunächst das Wittenmoos in der Gemeinde Marbach, am linken Ufer der Ilfis, gegenüber der Schrattenfluh. Eng war’s, auch in der grossen Familie; zu zehnt mussten sie sich zurechtrücken. Sieben Jahre später zügelte die Grossfamilie auf den Menzberg. Der Vater übernahm eine Pacht in der Petsch, Gemeinde Willisau-Land. Viel hatten sie nicht. Er schreibt: Wir hatten 4 Milchkühe und 2 Rinder. Dazu kam noch der Gäbu mit den grossen Hörnern, eine Ziehkuh, dazu noch einen Hund und eine Katze. Br. Franz ging in Menzberg in die Schule.

Kaum etwas eingelebt, kam am 1. September die General-Mobilmachung. Der zweite Weltkrieg begann. Der Vater musste in den Dienst, die Kinder schauten mit der Mutter zum Hof. Zusammen konnten sie überleben in diesen ärmlichen Verhältnissen. 1939 musste die Familie die Petsch verlassen und sie zügelte erneut. Diesmal nach Wolhusen. Hier fuhr Br. Franz mit seiner Schule weiter. Im Sommer half er mit auf einer Alp und lernte das harte Leben eines Älplers hautnah kennen.

1946 hatte Br. Franz seine erste Arbeitsstelle in der Schreinerei Adolf Schwegler in Wolhusen. Ein Jahr später brannte diese teilweise nieder, aber Franz konnte bleiben und sich als Möbelschreiner ausbilden lassen. Danach sammelte er zwei Jahre Berufserfahrung und meldete sich als Interessent bei der Missionsgesellschaft, damals auf der Schöneck in Emmetten.

1952 war es soweit. Er wurde bei der SMB Postulant, später Novize und 1958 schloss er sich endgültig als Mitglied der Missionsgesellschaft an.

Br. Franz war ein tüchtiger Kerl. Er arbeitete in der Schreinerei mit anderen Kandidaten, und erledigte grössere Umbau-Arbeiten. Ganze fünf Jahre verrichtete er Schreinerarbeiten im Missionsseminar Schöneck. Dann gibt es einen Wechsel für ihn. Er wurde nach Immensee geschickt, dort in die Schreinerei zu Vater Franz Bosshard und seinem Sohn und zwei weiteren Mitarbeitern. Arbeit gab’s mehr als genug, denn der Neubau M1 stand bevor. 1959 studierte er Englisch in London. Aber Br. Franz wollte endlich nach Afrika.

1961 ging sein Wunsch in Erfüllung. Am 16. Januar 1961 kam der Abschied am Bahnhof Luzern von seiner lieben Schwester Josy. Mit Br. Toni Kilchmann und Br. Ruedi Tanner ging es mit der Bahn Richtung Süden, nach Rom – Brindisi, dann mit dem Schiff durch den Suezkanal nach Beira in Mocambique, dann mit dem Zug nach der Grenzstadt Mutare in Zimbabwe. Br. Karl Kühnis wartete auf sie. Mit einer kühnen Fahrt gings nach Silveira, Gokomere und endlich nach Driefontein ins Regionalhaus.

Br. Franz in Rhodesien / Zimbabwe

Im Regionalhaus in Driefontein angekommen, begann bald einmal das Einführungsjahr mit dem Sprachstudium. In Driefontein lebten ein Dutzend Brüder, als Fachleute bereit für den Aufbau der Diözese und Ausbildung der Lehrlinge in den verschiedensten Berufen. Es herrschte ein grosser Bauboom. Br. Franz war 14 Jahre für die Schreinerei verantwortlich. Er erledigte mit den schwarzen Mitarbeitern die grossen Aufträge. Br. Franz passte sehr gut in diese grosse Brüdergemeinschaft, wir erlebten ihn als aufgestellten, intelligenten, friedliebenden, positiv denkenden Mitbruder. Sein Wissen gab er gerne weiter, hatte Geduld und eine gute Art mit den Menschen umzugehen. Wir spürten: Br. Franz kam aus einer grossen Familie.
Er war auch beliebt als Imker; so nannten ihn die Leute «Brother nuchi» (Honigbruder). Ich glaube, nebst Shona hat er auch die «Nuchi-Sprache» gelernt (Bienensprache). Da Br. Franz sehr begabt war, konnte Bischof Häne ihn überall einsetzen; so auch in Serima und Gokomere, als Schreiner, Landwirt, Imker und für Garten und Obstanlagen.
In Driefontein sogar als Spitalverwalter. Es gab zwei Spitäler, Muvonde und das Sanatorium. Da lebten 120 Mitarbeitende. Es kamen die Lohnabrechnungen dazu, die Bankgeschäfte und die oft schwierigen Verhandlungen mit dem Gesundheitsministerium, und die Einführung der neuen Ärzte. Br. Franz hat dies alles mit Ruhe und der nötigen Übersicht gemeistert, mit Trudy Hummel aus der Schweiz, Augustin und Antony Matuva, die er als Praktikanten einführte.

Br. Franz war ein Mensch, der anderen das Beste geben wollte. Davon zeugen sein Wissen, seine Qualitätsarbeiten und seine einfache und bescheidene Art zu leben. Die Diözesen Gweru und Mazvingo verdanken Br. Franz sehr viel. Die SMB darf stolz sein, dass sie solche Missionare wie Br. Franz für Rhodesien / Zimbabwe in den missionarischen Dienst stellen durfte.

Rückkehr in die Schweiz

Am 21. Dezember 1985 erlitt Br. Franz einen Herzinfarkt. Die gesundheitlichen Probleme wurden grösser. Am 13. April 1986 nahm er Abschied von Afrika, kam zurück in die Schweiz. Die Ärzte mussten eine Bypass Operation vornehmen. In der Reha von Gais erholte er sich, kehrte aber nicht mehr nach Afrika zurück. Br. Franz war ja vielseitig begabt und interessiert. So gab es genügend Arbeiten für ihn in der Buchbinderei, in der Schreinerei und als Imker im eigenen Bienenhäuschen. Dazu fand er Zeit für seine Hobbies; ganz speziell jenes der Astronomie. Mit Ralf Vanscheit, Lehrer am Gymi, vertiefte er sich in die Wissenschaft der Astronomie. Mit Gruppen von 15 Leuten beobachteten sie genau am 8. Juni 2004 den Transit des Planeten Venus vor der Sonne. Er wusste viel über die Sternbilder, Mondphasen und konnte begeisternd erzählen, z.B. alle 12 Jahre macht der Planet Jupiter vor dem Sternbild Skorpion eine grosse Rundschleife. Sternschnuppen und Meteoritenschweife faszinierten Br. Franz. Er pflegte seine 2 Fernrohre wie einen kostbaren Schatz.

Die Altersbeschwerden nahmen zu und vor einigen Monaten war ein Wechsel auf die Pflegeabteilung nötig. Am 11. August durfte er gehen, in jene Welt, die er mit dem Fernrohr bestaunte und etwas erahnen liess, wie gross und schön und intelligent die Weisheit Gottes alles erschuf.

Br. Franz war uns ein lieber, gütiger, geduldiger, verlässlicher und treuer Mitbruder, mit einem verschmitzten Humor. Ein Mitbruder, der tüftelte, wenig sprach, dafür dachte und Lösungen zu heiklen, praktischen Problemen fand.

Wir danken dir Franz. Lebe wohl und bleibe uns in lieber Erinnerung.

Josef Christen
John Burkart