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Würdigung der Lehrtätigkeit von P. Schelbert

Prof. em. Georg Schelbert SMB

Prof. em. Georg Schelbert SMB

Liebe Mitbrüder von P. Georg, liebe Trauergemeinde,

ich möchte zuallererst im Namen der Theologischen Fakultät und des Rektorates unserer Universität, Ihnen/Euch das tiefempfundene Beileid aussprechen – auch im Namen des Dekans, der hier nicht anwesend sein kann – aber nicht nur das Beileid, sondern den Dank für all das, was P. Georg Schelbert in über zwanzig Jahren für die Studierenden und für die Institutionen der Fakultät und der Universität geleistet hat. Ich möchte an diese offizielle Danksagung aber auch meinen persönlichen Dank anknüpfen für den Kollegen, Freund und Mitbruder im priesterlichen Dienst, der P. Georg Schelbert für mich gewesen ist. Ich verdanke ihm sehr viel und bin deswegen sehr froh, dass ich mit Euch jetzt diesen Abschiedsgottesdienst feiern darf.

Ich bin gebeten worden, die wissenschaftliche Tätigkeit und Leistung von von P. Georg Schelbert zu würdigen. Weit über zwanzig Jahre bin ich Zeuge gewesen von dieser seiner Wirksamkeit. Die Aufgabe eines Lehrers an der Universität beruht auf drei Säulen: Forschung, Lehre und Mitarbeit an der Verwaltung. Meistens ist ein akademischer Lehrer in zwei von diesen drei Bereichen aktiv; im dritten ist er eher passiv. Von P. Schelbert darf man ohne Übertreibung sagen, dass er in allen drei Bereichen unermüdlich tätig gewesen ist, für das Beste der Studierenden und der Institution.

Lassen Sie mich/Lasst mich in Kürze zu Forschung, zu Lehre und zu dem Beitrag im Administrativen ein paar Bemerkungen machen. Was die Forschung betrifft: P. Schelbert war ein hochbegabter Mensch, für die biblischen Fächer wie gemacht. Er lernte die alten Sprachen von Grund auf und und spielte auf ihnen wie ein Pianist auf dem Klavier. Er besass überdies die Gabe der Genauigkeit. Wir haben gehört, dass er es liebte, ins Detail zu gehen. Er ging allem mit scharfem Verstand auf den Grund. Sein schon erwähntes letztes Buch, ABBA Vater, zeigt das in fast schwindelerregendem Mass. Ferner hatte er ein nie versiegendes Interesse für alle Fragen der Bibel und für ihre Nachwirkung in Kirche und Gesellschaft bis heute. Das machte ihn zu einem wachen Zeitgenossen und zu einem ungeheuer belesenen Kenner der biblischen Forschung; ihm entging nichts. Ihm war die Gabe eines treuen Gedächtnisses verliehen, das ihn wohl nie im Stich liess. Vielleicht waren es diese Gaben, die auch die Ursache dafür waren, dass er relativ wenig auf exegetischem Gebiet schrieb, als ob er Angst gehabt hätte, er könnte etwas übersehen haben, was er hätte wissen müssen. So hat er leider seine Dissertation, die er in England bei einem der berühmtesten Professoren der damaligen Zeit, bei Paul Kahle, geschrieben hatte, der ihn hoch schätzte, nie veröffentlicht. Umso bewundernswerter war bei dieser blendenden Begabung seine Bescheidenheit, die schon erwähnt worden ist. Georg Schelbert hat sich nie selbst inszeniert. Dabei muss man hinzufügen: er war gegenüber seinen Kollegen ohne Neid. (Das ist an den Universitäten nicht ganz immer der Fall!)

Ich möchte als Zweites etwas zu seiner Lehre sagen. Georg Schelbert war ein Lehrer, der seinen Schülern alles vermitteln wollte. Sie sollten alle Elemente eines Stoffes kennen. Das verlangte von ihm selbst eine gewaltige Vorbereitung. Zu einer Zeit, als das Kopieren noch mühsam war und Stencils und Matrizen erforderte, bereitete er ungezählte, engstens beschriebene Blätter vor, die er dann seinen Studierenden freigebig austeilte. Nichts war ihm zuviel für seine Vorlesungen und für seine Studenten. Dass er damit zeitweilig seine Schüler überforderte und seine Vorlesungen an Unübersichtlichkeit und Stofffülle, die er ausbreitete, litten, kann nicht erstaunen. Aber alle anerkannten mit Bewunderung, und viele mit Dankbarkeit, seinen ganzen, selbstlosen Einsatz für die Lehre, für die Vermittlung der biblischen Kenntnisse.

Und ein dritter, wichtiger Beitrag, an den man heute oft gar nicht denkt, ist das, was Georg Schelbert für das Studium, die Institution, die Studierenden und die Dozierenden getan hat. Seine Lehrtätigkeit begann 1966, als sich die Freiburger Fakultät neue Studienordnung geben musste. Das war unmittelbar nach dem 2. Vatikanischen Konzil. Man musste das ganze Theologiestudium von Grund auf neu organisieren. Und Sie können sich vorstellen, was das an Sitzungen, an Reglementen, an Diskussionen und Kommissionen erfordert hat. Georg Schelbert – es wurde auch schon erwähnt – trug das Vaticanum begeistert mit. Ihm war die Freiheit der biblischen und theologischen Forschung ein hohes Gut. So gab es in jenen Jahren viele Unsicherheiten bei Lehrern und Schülern; neue Reglemente mussten verfasst werden; die Studierenden brauchten Beratung und Orientierung. Und hier hat unser Kollege Schelbert selbst Stunden um Stunden aufgewendet, um das Studium für die Lehrenden – für uns Kollegen – und die Studierenden funktionstüchtig zu machen. Ich glaube, nur der Heilige Geist weiss und kann ermessen, wie viel Zeit und Arbeit hier P. Georg in diese Notwendigkeit investiert hat.

Lassen Sie mich schliessen. Darf ich Euch zum Abschluss das Bild hervorrufen, das ich von unserem unvergesslichen, verstorbenen Kollegen immer habe, wenn ich an ihn denke. Er steigt vom vierten Stock seiner Wohnung an der Spitalgasse herunter, links und rechts eine dicke, bauchige Mappe in der Hand, wie sie früher die Spengler und Installateure für ihre Schraubenzieher und Zangen hatten, in denen aber bei ihm statt der Werkzeuge die Bücher und die Blätter waren, die er seinen Studierenden ins Seminar mitbrachte – und oft waren das nur wenige, aber er wandte ebensoviel Eifer für drei wie für zwanzig Studierende auf. Und mit diesen beiden schweren Mappen in jeder Hand begrüsste er mit seinem freundlichen Lächeln den Kollegen, der ihm dabei begegnete.

Wir können jetzt nur für ihn danken und Christus, den Meister, dem er dienen wollte, bitten, er wolle seinem getreuen Knecht sagen: „Tritt ein in die Freude Deines Meisters.“

P. Adrian Schenker OP, Prof. em.

Georg Schelbert unter seinen Mitbrüdern
Abschied von Georg Schelbert †
Abschied von Georg Schelbert  (Album)