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Würdigung von Albert Plangger †

Geboren9.2.1925
Priesterweihe18.3.1951
Rhodesien/Simbabwe: Seelsorge (St. Joseph, Driefontein, Holy Cross)

1955-1965
Diözesanbeauftragter für das Schulwesen1967-1972
Gweru: Leiter der Mambo Press, Seelsorger

1972-1992
Harare: freier Schriftsteller, Seelsorger1992-2015
Missionshaus Immensee: Ruhestand2016-2019
Verstorben7.7.2019

«Meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast.» (Lk 2,30-31)

Wenn wir heute von einem unserer ältesten Mitbrüder und langjährigen Zimbabwe-Missionar Albert Plangger Abschied nehmen, so fällt mir das Bild ein, das der Theologe Karl Rahner einmal geschildert hat: Es ist wie wenn auf der Strasse unseres Lebens ein Zug von Menschen marschiert und sich jeden Augenblick – ohne Abschiednehmen – schweigend einer aus diesem Zug heraus löste und vom Wege abbiegend sich verlöre im Dunkel der Nacht.

Kleiner und kleiner wird für jeden von uns dieser Zug; denn nur scheinbar treten immer neue Menschen auf unseren Lebensweg, um mitzuziehen. Viele ziehen zwar dieselbe Strasse; aber mit jedem von uns doch nur wenige. Denn mit jedem pilgern doch eigentlich nur, die einst gemeinsam mit ihm aufbrachen, die schon dabei waren, als er seinen Weg zu seinem Gott begann, die gerade seinem Herzen nahe waren und sind.

So muss es unserem Albert Plangger unzählige Male in seinem Leben ergangen sein: Seit 1954, also für über sechzig Jahre, war er in Zimbabwe, dem damaligen Rhodesien tätig. Er erlebte die Gwelo Mission fast vom Anfang an, verfolgte seine Geschichte aufs Genaueste und bemühte sich auch, das Leben und Wirken der früheren Jesuiten Missionare im Einzelnen kennen zu lernen. Nun ist auch er von uns abgebogen, in die Ewigkeit hinein.

Albert Plangger wurde in Oberuzwil SG geboren und wuchs dort auf. Kirchlich gehörten sie zu Bichwil, denn Oberuzwil wurde erst 1935 eine selbständige Pfarrei. Albert war sich aber seiner Südtiroler Abstammung sehr wohl bewusst und war stolz, als er als Österreicher Europäer Bürger wurde. Er besuchte das Gymnasium in Rebstein und Immensee und schloss sich am 23. September 1945 der Missionsgesellschaft Bethlehem an. Am 18. März 1951 wurde er zusammen mit seinem Mitstreiter Sebastian Kühne durch Bischof Francis Demont von Aliwal (Südafrika) in der Pfarrkirche von Emmetten zum Priester geweiht. Seine Primiz feierte er in Oberuzwil.

Das Zusatzstudium an den Universitäten von Fribourg und New York schloss er mit dem Doktor der Anthropologie ab. 1954 reiste er nach Süd-Rhodesien/Zimbabwe aus. In der Diözese Gwelo (Gweru) war er zunächst auf den Missionstationen Driefontein und Holy Cross tätig, bevor ihn der Bischof zu seinem Sekretär und zum Diözesanbeauftragten für das Schulwesen machte, das er eingehend organisierte. Als es darum ging, dass er als Nachfolger von seinem mitbrüderlichen Mentor Johannes Beckmann die Redaktion der «Neuen Zeitschrift für Missionswissenschaft» übernehme, zog er es vor, in der missionarischen Praxis zu bleiben.

Im Juni 1972 wurde ihm die Leitung des Verlagshauses Mambo Press in Gwelo übertragen. Neben zahlreichen Publikationen in der Shona- und Ndebele-Sprache machte sich damals Mambo Press einen Namen in der Veröffentlichung von religiösen und liturgischen Publikationen und von zahlreichen Schulmaterialien. Über die Zeitschriften «Moto» und «Kristo» machte sich das Verlagshaus im ganzen Land bekannt. Für das missionarische Personal waren die missio-pastoralen Papiere hilfreich, wie auch Bücher zur christlichen Lebenshilfe und Sachbücher zu Hauswirtschaft, Landwirtschaft usw.

Wie bereits seine Vorgänger im Amt, gerieten Albert und die Mambo Press auch unter restriktive Massnahmen der weissen rhodesischen Regierung. Plangger veröffentlichte eine Sammlung der Pastoralschreiben der rhodesischen, katholischen Bischöfe von 1959 bis 1967 unter dem Titel: «Rhodesia – The Moral Issue».

In all den Jahren an der Mambo Press in Gwelo war Albert auch als Priester in der St. Mary’s Pfarrei in der Senga Township tätig.

1992 zog Albert in die Hauptstadt Harare ins Mambo House, wo er sich als freier Schriftsteller betätigte und der Ortskirche sowie der Gemeinschaft der Dominikanerinnen zur Verfügung stand. Auch führte er während Jahren neues missionarisches Personal, vor allem von «Solidarmed», in die missionarische Situation in der Diözese Gwelo ein. Sein Heim blieb in all den Jahren ein Ort der täglichen Eucharistiefeier. Er betätigte sich auch weiterhin als kritischer Beobachter des politischen Geschehens und der Berichterstattung z.B. über den Befreiungskrieg in Zimbabwe.

Obwohl er ins Auge gefasst hatte, seinen Lebensabend bis zum Ende in Zimbabwe zu verbringen, zwang ihn eine gesundheitliche Beeinträchtigung im Jahre 2016 endgültig in die Schweiz zurückzukehren. Mit einem Mitbruder veröffentlichte er noch eine Geschichte der Gwelo Mission der dreissig Jahre von 1946 bis 1977, dem Zeitpunkt, als ein lokaler afrikanischer Priester zum Bischof ernannt wurde. Es ist erstaunlich, wie es Albert gelang, den Alltag in der Pflegeabteilung des Missionshauses in Immensee aller Gelassenheit zu verbringen, wo er am Abend des 7. Juli friedlich verstarb.

Publicationen und Artikel von Albert Plangger:

  • Plangger & Mordikai Hamutyinei. Tsumo – Shumo. Shona Proverbial Lore and Wisdom. Mambo Press Gwelo 1974
  • Versuch in afrikanischer-christlicher Kunst. Mambo Press Gwelo 1974
  • Rassenfrage und Missionierung in Rhodesien(1890-1930). In: Jakob Baumgartner ed. Vermittlung zwischenkirchlicher Gemeinschaft. 50 Jahre Missionsgesellschaft Bethlehem Immensee. Schöneck-Beckenried, 1971.
  • 20 Jahre Mambo Press: 1958-1978. In: Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft 1978, S.207-218; 264-290.
  • Zur Ehrenrettung von Eduard Biehler (1861-1927). In: Neue Zeitschrift für Missionswissen­schaft 1971 S.54-.
  • Georg Höltker zum 70. Geburtstag. In: Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft 1965, S.61-.
  • Malawi Lilongwe. Klarissinnen. In: Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft 1968 S.206-.
  • Hamitischer Mythos und Minder­bewertung des Afrikaners. In: Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft 1971, S.138-.
  • Catholic reactions to the Liberation War in Zimbabwe. In: Neue Zeitschrift für Missions­wissenschaft 1994, S. 237-.
  • Sind die Missionare schuld an Zerstörung und händlerischer Ausbeutung der Makonde-Kunst? In: Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft 1971, S.56-.
  • Papua-Neuguinea. Kruzifix. Tatsachen und Gedanken. In: Neue Zeitschrift für Missionswissen­schaft 1961, S.293-.
  • Praktische Völkerkunde für den Missionar. In: Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft 1956, S.141-.
  • Shona-Gebetsbücher. Beitrag zur Geschichte christlicher Shona-Frömmigkeit und Liturgie. In: Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft 1970, S.28-; 127-.
  • E. Evans-Pritchard warnt Übersetzer. In: Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft 1971, S.223-.
  • Missionsstudien-Tagung Fordham University New York USA (24./25.1.1953). Sommerkurs des Mission-Institute. In: Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft 1953, S. 147-; 1954, 59-.
  • 15 Jahre Kath. Univ. Lovanium Kinshasa, Zaire 1969. In: Neue Zeitschrift für Missionswissen­schaft 1971, S.139-.
  • Shona Kirchenmusik und -Katechese auf Schallplatten Zimbabwe. In: Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft 1970, S. 278-.
  • Annual Statistical Table on Global Mission 2000 (D.B. Barrett). In: Neue Zeitschrift für Missions­wissenschaft 2000, S. 262-.
  • International Bulletin of Missionary Research (IBMR) 50 Jahre alt. In: Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft 2000, S. 262-.

Joe Elsener