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Würdigung von Pius Bättig †

Geboren22.12.1935
Priesterweihe21.3.1963
Simbabwe: Seelsorge und Aufbau von Primarschulen1966-1976
Seelsorge: Silveira und Aussenzentren1977-2008
Regina Mundi, Gweru: Schulkaplan2009-2018
Immensee: Pension 2018–2020
Verstorben5.12.2020

«Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich
bedienen zu lassen, sondern um zu dienen …
»
(Mk 10,45)

Pius Bättig, unser Afrika Missionar, erlebte seine Kindheit auf einem Bauernhof in Oberlunkhofen, ganz nahe der Pfarrkirche. Er war beheimatet in einer Familie mit sechs Geschwistern – vier Schwestern und zwei Brüder. Da erlebte er eine frohe und sehr glückliche Kindheit. Die Primarschule besuchte er in Oberlunkhofen, dann die Bezirksschule in Bremgarten. Er spürte die Berufung zum Priester und Missionar.

So ging er ins Gymnasium Immensee, machte seine Studien im Seminar Schöneck und wurde Mitglied der SMB 1957. Seine Priesterweihe war 1963. Er erhielt die Destination Rhodesien, studierte deshalb Englisch in London und reiste 1964 nach Afrika aus zu unseren Mitbrüdern, die dort (dem heutigen Zimbabwe) bereits viele Jahre schon tätig waren.

Zunächst ging es darum, Shona, diese Bantusprache des Landes, zu lernen. Dies tat Pius eifrig in Driefontein. Dann ging’s an die Arbeit: Seelsorge auf verschiedenen Plätzen und Gebieten dieser grossen Gweru Diözese.

Ich habe mal die Orte, an denen Pius als Priester und Missionar gewirkt hat, zusammengezählt. Es sind zwölf Plätze. Pius lebte und wirkte 54 Jahre lang in diesem afrikanischen Land.

In seinen Heimaturlauben hatte er immer guten Kontakt mit der Bevölkerung der ganzen Kirchgemeinde und freute sich, die Familie, gute Freunde, Bekannte und Jahrgänger zu treffen. Leider reichte seine Urlaubszeit nicht immer, um all die vielen Leute zu besuchen, die ihn einluden und sein Wirken in Zimbabwe grosszügig unterstützten.

Seine Schwester erinnert sich, dass er als Kind schon lieber Bücher las, als mit dem Vater aufs Feld zu gehen. «Voraussehend» auf seine spätere Berufung predigte er als Kind öfters vor seinen Geschwistern, die zusammen auf der Ofenbank sassen.

Ich möchte jetzt in einem zweiten Teil einige Erinnerungen und Begebenheiten schildern, die mir Mitbrüder zugetragen haben. Darin spiegelt sich der eigentliche Charakter von Pius.

Nach der Diakonatsweihe in der Schöneck hielt Pius im Speisesaal beim Mittagessen im Namen der Neugeweihten die offizielle Rede. Zum Bischof, der ihn zum Diakon geweiht hatte, sagte Pius: «Als ich vor Ihnen stand, kam mir das Jakobs-Wort bei seinem Kampf mit Gott in den Sinn: Ich lasse dich nicht los, bevor du mich gesegnet hast!»
(Gen 32,27) Jahre später, als ich Pius in Simbabwe einmal fragte, warum er damals das so gesagt habe, lächelte er und sagte: «Den genauen Grund dafür weiss ich nicht mehr. Wenn ich es heute aber immer wieder sage, dann meine ich damit: Ohne Gottes Segen und Begleitung will ich den Weg zu den Menschen nicht gehen.» Pius war ein einfühlsamer Mensch; einer, der niemanden verurteilte, sondern jeden liebte, so wie es sein Lehrer Jesus machte, der jeden liebte. In seinem Namen und mit seinem Segen wollte er unterwegs sein zu den Menschen.

Als Pius als Pfarrer der Bikita-Pfarrei in der grossen Township Nyika wohnte, kam eines Tages ein ihm unbekannter Berner auf Besuch: «Man hat mir gesagt, dass ein Weisser hier wohnt, so habe ich gedacht, diesen Mann muss ich unbedingt sehen. Pius freute sich über den Gast, nahm ihn in sein Haus und sagte: «Sicher haben Sie Durst, was möchten Sie trinken?» «Am liebsten hätte ich jetzt ‹gin and tonic›.» Darauf fragte Pius: «gin and tonic, was ist das? Ich kenne es nicht, aber frisches Wasser und Coca Cola habe ich hier oder, wenn Sie lieber einen Tee oder Kaffee wollen». Gin and tonic trank Pius nicht und die armen Bewohner der Township auch nicht, sie vermochten es nicht. Als Bewohner der grossen Township wollte er nicht Sachen haben, die die Armen um ihn herum nicht haben können. So war Pius: anspruchslos, er lebte bescheiden, einfach und war mit Wenigem zufrieden.

Eines Tages traf ich Pius in der Krankenabteilung unseres Hauses, hier ins Immensee. Er trug ein grosses, schwarzes Hemd mit weissen Linien. Als ich das schöne Hemd bewunderte, sagte Pius: «Ich habe noch ein anderes, das diesem ähnlich ist». «Hast Du diese Hemden in Simbabwe gekauft?», fragte ich ihn, worauf er antwortete: «Ja, du hast recht, sie stammen von Simbabwe, aber gekauft habe ich sie nicht, die Schülerinnen von Regina Mundi haben sie mir geschenkt, darum sind sie mir besonders kostbar und ich trage sie gerne als Zeichen der Dankbarkeit dieser jungen Menschen».

Fast zehn Jahre lang war Pius als Kaplan an dieser Schule mit 500 Mädchen tätig. Er war sehr beliebt, und gab ganz praktische Predigten aus dem Leben. Pius konnte gut zuhören und vielen Menschen helfen durch einen Rat.

Pius jasste gern, hat auch Schach gespielt und ging in den Ferien gerne in die Inyanga Berge im Osten des Landes. Er war kein lauter Mensch, vorsichtig und eher ängstlich, hatte aber einen verschmitzten Humor, der einem gut tat. Pius konnte sich nicht mit voller Kraft einsetzen, weil er geschwächt war durch mehrmalige Gelbsucht, eine Herzoperation (mehrere Bypässe) hier in der Schweiz und wiederholte Malaria. Dazu kam ein brutaler Raubüberfall an einem «lay-by» (Picknick-Platz an der Hauptstrasse) zwischen Gweru–Mazvingo. Er wurde am Bein schwer verletzt. Es heilte nie richtig und Pius hatte oft Schmerzen. Dazu kamen seine zunehmende Gehörlosigkeit, Augenschwäche und Krebsdiagnose. Das war zu viel, um in Zimbabwe bleiben zu können.

2018 kam Pius zurück nach Immensee und blieb bis zum Tod, am 5. Dezember auf der Pflegeabteilung. Trotz der verschlechterten Gesundheit hoffte er, nach Zimbabwe zurückzukehren, um dort zu sterben. Das war ihm jetzt nicht mehr gegönnt.

Wir haben einen liebenswürdigen Mitbruder verloren, aber er wird jetzt in der neuen Heimat ohne Angst leben dürfen in einer Wohnung, die Jesus selber für ihn vorbereitet hat.

Wir danken Pius für sein Zeugnis als Priester und Missionar und als ein Freund der Menschen.

Josef Christen