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Zu Gast bei Gästen

NorbertBericht von Norbert Spiegler SMB.

Mit Rührung erinnere ich mich an meine Kindheit, als die fünfzehn Migranten des Asylbewerberzentrums Rigi-Klösterli ihre kleinen Beiträge an ihrem Tag der Offenen Tür geben. Zusammengewürfelt aus den verschiedensten Ländern, männlich, zwischen 18 und 30 Jahren, sind sie erst zwei Monate in diesem Heim. Und bereits sind sie willens und fähig, Leute des Gastgeberlandes Schweiz als ihre Gäste willkommen zu heissen!

Gäste sind ein Geschenk. “Sie würdigen mich, wenn sie mich besuchen”, so beginnt die Zentrumsleiterin Annamarie Würms ihre Begrüssung beim gemeinsamen Knabbern des Partygebäcks. Eine schöne Zahl von Besuchern aus der Umgebung hat die Einladung angenommen. Wieviel Mühe hat es wohl den Tamilen Prasanth S. gekostet, die Sätze seiner Begrüssungsrede zusammenzusetzen, … auch wenn das Wort “schwierig” als “schweirig” herauskommt. Es sind die Details, die das Ganze so liebevoll und ansprechend machen. Seine Deutschlehrerin ist glücklich, als sie das Ergebnis sieht. Wenn man einen fragte “Wie heisst Du?”, kommen sofort die anderen neugierig heran. Auch sie wollen Kontakt. Dabei ist dieser so schwer, denn der sprachliche Austausch funktioniert auf beiden Seiten noch nicht. Ich danke Gott, dass ich nicht eine Sprache lernen muss, deren Schriftzeichen und Alfabet so ganz anders sind. Als Aria I. den iranischen Ausdruck für “danke” sagt, muss ich beim Wiederholen kapitulieren.

Es überrascht mich ebenfalls die Gastfreundschaft auf Schweizer Seite. Opernsänger Walter Kirchmeier, der in nächster Umgebung wohnt, trägt drei seiner Lieder vor. Er hilft übrigens auch bei der Stimmbildung mit. Die Besitzer des Hauses stellten das grosse Ferienhaus “aus Freude” den Asylanten bis zur Sommersaison zur Verfügung. Die gleiche Freude sieht man dem Schweizer Koch an, der die Kochkünste der Migranten koordiniert. Denn der Höhepunkt ihrer Gastfreundschaft ist natürlich die Küche mit eigenen Gerichten aus ihren Ländern, welche die Migranten selbst zubereiteten.

An der Wand prangt ein prächtiges farbiges Bild einer Gottheit. Es kommt nicht aus einem Kunstladen, sondern ist von einem Bewohner des Hauses gemalt worden, einem früheren Tempelmaler in Sri Lanka. Weitere Beiträge der Gruppe sind Tänze aus ihren Ländern. Sie beteiligen sich untereinander an den jeweiligen Tänzen der anderen. Auch einige Gäste lassen sich in die Tänze einführen. Als Herr Kirchmeier einen Gesang von Händel vorträgt, schaue ich sehr genau hin, wie diese fremde Tonlage wohl auf die jungen Leute wirkt. Ich bin sehr erstaunt: An ihren Gesichtern strahlt mehr Freude auf als auf unseren europäischen! All dies zusammen ergibt trotz der sprachlichen Schwelle einen ganz natürlichen Begegnungstag …und die Maisonne hilft dabei kräftig mit. Einige Gäste fragen sich: Warum hatten wir eigentlich Angst? Ich erinnere mich an eine der Seligpreisungen in unseren SMB-Exerzitien mit José Amrein:

Freuen darfst Du Dich,
wenn Du unter der Not der Welt leidest,
wenn Dein Herz schwer ist, weil Du so wenig tun kannst.
Es wird Dich trösten, wenn Du die Suchenden,
die Hungernden und Leidenden bei Dir einzulassen vermagst und mit ihnen dem Lied des Windes,
der gewaltigen Symphonie der Wasser und den Stimmen der Tiere zu lauschen vermagst. (Francis X.D’Sa, SJ)

Wieviel Mühe und Einsatz mag es wohl gekostet haben, um vom Punkt Null an innerhalb von zwei Monaten solches zu ermöglichen, sowohl von Seiten der Migranten wie auch der professionellen und hingebungsvollen Begleitung des Caritaspersonals und deren ehrenamtlichen Mitarbeitenden. In der Spätwinterzeit war es für die Asylsuchenden manchmal sehr schwierig gewesen, bei den nur geringen Kontakt- und Wandermöglichkeiten depressive Phasen der Erinnerung an die Familie und das Heimatland durchzustehen. Aber es hatte keine Agressionen unter ihnen gegeben, auch nicht zwischen den drei Religionen. Das kann uns für unser Unternehmen “UMA” ermutigen. Nichts ist unmöglich. In unserem Fall wird es sehr anders und in anderer Weise anfordernd sein, wenn wir Kinder und Jugendliche, die traumatisiert direkt von der Grenze zu uns kommen, in das fast leerstehende Missionshaus 2 aufnehmen. Hoffentlich können sie sich bald als Gäste fühlen …und wir auch einmal Gäste von ihnen sein. Dann dürfen wir uns an den “Geist der Kindschaft” unserer SMB-Spiritualität erinnern und diesen hoffentlich unmittelbar erleben.

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