sprachen

Zu spät? Zu früh? Endlich jetzt!

Unter diesem Titel luden SMB, BMI, Freund­schafts­kreis SMB und COMUNDO am 12. Januar 2019 zu einem gemein­samen Begegnung­stag ins Romero­Haus ein:  Auch Mitglieder des Vereins Missions­haus Beth­lehem (VMB) kamen dazu. Die Veran­staltung wollte «Mission und Ent­wicklungs­zusam­men­arbeit der letzten 100 Jahre» noch­mals Revue passieren lassen. Damit der Tag nicht trocken und spröde herauskam, fand er im Rahmen eines «Brunch» mit vier Statements, einem Podium statt und «Murmel­runden» dazwischen.

Justin Rechsteiner SMB (ehem. Direktor RomeroHaus) gab ein Statement über den Weg der SMB als «Wechselvolle Geschichte seit 1896». Die Gebietsmission der SMB begann von Immensee aus in der Nord­man­dschurei (China) und führte – nach der Ausweisung der Missionare – zu beachtlichen Neuansätzen in anderen Ländern. Die SMB begleitete schon früh die praktische Arbeit der Missionare mit der religions­wissen­schaft­lichen Forschung. Diese unterstützte die ein­schnei­den­den Neuerungen, die mit dem II. Vatikanischen Konzil (1962–1965) kamen. So wurde der Weg gebahnt zur zwischenkirchlichen Partnerschaft, zur Option für die Armen und zum Bewusstsein über soziale Gerechtigkeit. Um 1990 herum schlossen sich Männer und Frauen der SMB in Form einer Assoziation an, so kam es schliesslich zur Gründung der BMI. Unter neuem Namen führt COMUNDO nun unabhängig von der SMB viele von deren Erfahrungen weiter. Im Blick auf das jetzige Alter der SMB bevorzugt Justin Rechsteiner, statt des Ausdrucks «heitere Resignation» (Kurt Marti), die «dankbare Bejahung». Als Erheiterung berichtete Justin von Seitenhieben aus der alten SMB-Zeit: SMB = «sollten mehr beten», SMB = «sie müssen betteln».

Josef Estermann (vom Fachbreich Grund­lagen und Forschung bei COMUNDO) be­leuchtete den Wandel «Vom Missionar zur internationalen Entwicklungsarbeit». Er setzte beim Missionsauf­trag Jesu in Mt 28,16–20 an und führte durch die Geschichte der Mission. Von den Missionsreisen des Paulus bis zur Mission im Windschatten des Kolonialismus. Die «Deko­lonisierung» der Mission in den letzten 50 Jahren brachte neue Optionen hervor: Interreligiöser Dialog, missionarische Präsenz, Süd-Süd und Süd-Nord Mission, Weltkirche als Lerngemeinschaft. Aber es tauchten in diesen Jahren auch Fragen auf: Ende der Mission? Ist die personale Entwicklungs­zusammen­arbeit (PEZA) ein anderer Name für Mission? Religion und Spiritualität werden künftig wieder eine grössere Rolle spielen, und es wird sich die Notwendigkeit von Allianzen ergeben.

Margrit Santchi (aus den Freiwilligeneinsätzen in Kolumbien und Ekuador im pastoralen Bereich) belegte die genannten Ent­wick­lun­gen mit ihren Erfahrungen in der Basisarbeit. «Hört auf die Leute und plant mit ihnen!», wurde ihr bereits im Einführungskurs ans Herz gelegt, und «Das Entwickeln soll im Rhythmus der Leute sein.» Wegen der kulturellen Unterschiede stellte sich das für sie zunächst als gar nicht so einfach heraus. Mit ihrer «missionarischen Präsenz» wuchsen jedoch Nähe und enges Zusammenwirken, gerade in konfliktiven und gefährlichen politischen Situationen.

Elisa Fuchs (Mitglied des Vorstandes COMUNDO) brachte die internationalen politischen Veränderungen in der Entwick­lungs­zusam­men­arbeit seit dem Zweiten Weltkrieg aufs Tapet. Einerseits wurde das Augenmerk zunehmend auf die Grund­bedürfnisse der ärmsten Bevölkerungs­schichten, auf die Gleich­berechti­gung der Frau, auf Nachhaltigkeit und Schutz der Lebensgrundlagen gelegt. Andererseits setzten Struktur­anpassungs­programme zunehmend die Eigeninteressen der Geberländer durch (Freihandel) und der Frei­willigeneinsatz hatte das Nachsehen (auch in der Schweiz).

Podiumsdiskussion

Jeweils eine Person der vier Gruppierungen sass auf dem Podium mit Moderator Tom Giger (COMUNDO). Unser Tagungsdurchgang wurde kritisch ausgewertet: Die Zukunft der PEZA ist offen und ungewiss. Sie kann Ergebnisse in den Nachhaltigkeitszielen vorweisen, steht aber in Asymmetrie zu politischen Machtinteressen. Alle Vertreter auf dem Podium waren sich einig: im Mittelpunkt muss der Mensch stehen. Wegen der zunehmenden Politisierung der Entwicklungszusammenarbeit wird das Engagement der Zivilgesellschaft umso wichtiger und damit auch das von COMUNDO, SMB, Freundschaftskreis SMB, BMI und VMB.

Abschluss und Segen

Aus dem abschliessenden Segensgebet sind folgende drei Sätze, die an die Tradition anspielen, dass dieser Begegnungstag in der Zeit von Dreikönig liegt:

«Du Licht aus der Höhe, du Stern
in der Dunkelheit, du Ewiger.
Sei du der Mut, der uns beflügelt,
um Veränderungen zu akzeptieren
und zu unterstützen.
Sei du das Licht, das uns den
Weg in die Zukunft zeigt.»

Die Dynamik der Veranstaltung war sehr kommunikativ, sodass die meisten Teilnehmenden nach Abschluss noch in Grüppchen redeten oder beim Kaffee im Foyer blieben.

Glossarium:
SMB = Missionsgesellschaft Bethlehem,  Verein BMI = Bethlehem Mission Immensee,  Verein COMUNDO = bis 2017 Bethlehem Mission Immensee, VMB = Verein Missionshaus Bethlehem