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Weltmissions-Monat im Rückblick

Der Weltmissionsmonat, zu dem Papst Franziskus aufgerufen hat, ist Geschichte. Viele Interessenten nahmen an den verschiedenen vom Freundschaftskreis SMB organisierten Anlässen teil.

Auftakt Missionsmonat

Auftakt war der Festgottesdienst am 6. Oktober in der Kapelle des Missionshauses. Jungwacht und Blauring (JUBLA) sowie «Männerxang» aus Küssnacht haben die Feier mitgestaltet, geleitet wurde sie von Josef Christen, Hausoberer. Er ging von Mt 28, 16–20 aus und machte bewusst, wo im Alltag das Motto «Getauft und gesandt» umgesetzt werden kann: im Spiel nach fairen Regeln, im Gespräch miteinander …

Nach dem Gottesdienst gab es im Innenhof Tessiner Risotto mit Spiessli. Die JUBLA beschäftigte sich mit Zeichnen, Bändeli-Knüpfen, Fussball im Freien und verschiedenen Spielen. Die Videobotschaft von Anna und Ueli Schäli aus Sambia erfreute ebenfalls zahlreiche Zuhörende. Es gab ein Quiz, und 78 Personen versuchten, ihr Glück beim Beantworten der zwanzig Fragen. Der Tag war zudem auch das 7. Treffen des Freundschaftskreises SMB. Allen Mitwirkenden, auch dem Generalrat SMB, gehört ein herzlicher Dank.

Peter Trutmann

«Das Kongo Tribunal»

ein Film von Milo Rau. Im Missionshaus führten uns am 10.Oktober Martin Jäggi (Gastgeber) und Alex Keller (Moderator) in diesen Film ein; sie unterbrachen zwischendurch und beantworteten Fragen.

Der Ort des Tribunals, also einer Gerichtsverhandlung, ist Bukavu, in Süd-Kivu, Demokratische Republik Kongo. Es werden Zeugen geladen; es gibt eine Jury, ein Richtergremium. Man sieht am Anfang, dass es ein Filmprojekt ist, wie sich der Regisseur mit betroffenen Menschen trifft, wie er die «Schauspieler» instruiert. Den Inhalt bringen aber die Menschen selber mit; die Filmaufnahmen der Massaker, die Interviews mit den Regierungsvertretern, die Aussagen von Betreibern der Minen und das Schicksal der Tausenden von Menschen, die von ihrem Land vertrieben wurden, sind echt. Der Richter wird von Jean-Louis Gilissen gespielt, er ist wirklich Mitbegründer des Den Haager Strafgerichtshofs.

Die Bilder von der Zerstörung der Natur und der Lebensgrundlage der Menschen nehmen mich mehr und mehr ein, machen mir bewusst, dass die Rohstoffe die Ursache vieler der Konflikte sind. Das Potential der Bodenschätze im Kongo beträgt 24 000–39 000 Milliarden US$. Da ist es klar, dass viele daran interessiert sind. Seit 1996 sind auch sieben Millionen Menschen bei Auseinandersetzungen um die Rohstoffe, bei Stammeskonflikten und Kriegen umgekommen.

Es ist ein inszeniertes Tribunal mit keinerlei Legitimation zur Verurteilung und hat doch einiges bewirkt. Milo Rau: «Das ist ein fiktives Tribunal, das nicht von einer internationalen Organisation einberufen wurde. Im Gegenteil; es ist ein unabhängiges Tribunal. Ein symbolisches Tribunal. Ein Tribunal des Volkes, das der öffentlichen Meinung verpflichtet ist. Es hat seine Berechtigung in der Zukunft durch den Beitrag, den es zur Entwicklung des Kongo leisten wird. Es hat das Ziel, die Wahrheit bekannt zu machen.»

Anschliessend treffen sich die meisten der 30 Teilnehmenden noch im Speisesaal. Bei einigen SMB-Mitgliedern werden Erinnerungen an ähnliche Geschichten in Afrika wach …

Anita Baumgartner

KAB Immensee

Martin Jäggi berichtete am 18. Oktober, vor Angehörigen der KAB Immensee und des Freundschaftskreises SMB über sein missionarisches Wirken. Im vollen Pfarreisaal Immensee – gegen 50 Personen waren anwesend – Es war ein buntes Mosaik in Wort, Bild und Ton über 10 Jahre Einsatz in einem städtischen Armenviertel in Sambia, 21 Jahre in ländlichen Randregionen in den Philippinen und weitere Jahre in der Schweiz.

Martin Jäggi begann mit einem Gebet, in dem die brennende Sehnsucht nach Leben, Licht und Wahrheit thematisiert war und der Wunsch, «unseren Mut zu stärken und das Unmögliche zu tun». Am Anfang seiner «Karriere nach unten» als Missionar standen das sozialistische Gedankengut seines Grossvaters und der Wunsch seiner Mutter, aus dem kleinen Martin einen Afrika-Missionar zu machen. Vom Einsatz in Sambia prägten ihn die Erfahrung, «als Armenhäusler unter Armenhäuslern» zu sein und der Glaube an den Befreiergott, der in der Kirche als Ort völkerübergreifender Beheimatung wirkt. Aus den Philippinen nahm er die Überzeugung mit, dass der christliche Glaube inkulturiert, einheimisch werden muss. Mission bedeutet auch, dass verschiedene Kulturen miteinander in den Austausch kommen und voneinander lernen sollen.

Und was bleibt? Was bedeutet Mission hier und heute? – In der Überzeugung, dass jeder Christ und jede Christin da selbst Antworten finden muss, versuchte Martin Jäggi in knappen Worten und Gedanken einige Spuren zu legen:

  • Auf seiner kürzlichen Reise nach Qiqihar, dem ersten Missionsgebiet der Immenseer Missionare in China, stellte er verblüfft fest, wie die Kirche trotz Verfolgung gewachsen ist und der Glaube weiterlebt.
  • Käme Jesus heute auf Erden, wäre er wohl nicht in der Kirche zu finden, sondern bei den Kranken und Ausgegrenzten.
  • Wenn du nahe beim Volk bist, bist du nicht weit weg von Gott.
  • Der Einsatz für die Konzernverantwortungsinitiative in der Schweiz.
  • Den Mitmenschen an-sehen, ihm Ansehen geben, sich für die Anderen sorgen.
  • Liebe, Geduld, Langmut, weltweite Verantwortung – mit offenen Augen und Ohren.
  • Und immer wieder: Schweigen, angesichts des vielen Dummen und Schlechten, was schon über den lieben Gott und in seinem Namen gesagt wurde.

Danke, Martin, für deine Anstösse, und danke der KAB Immensee für die Gastfreundschaft.

Peter Leumann

Was kann man von den Missionaren lernen?

Beim Vortrag und Gespräch mit Martin Brunner-Artho am 24.Oktober, im Gemeinschaftssaal des Missionshaus II überraschte Martin Brunner, Direktor von Missio Schweiz, die 27 Teilnehmenden mit einem Satz von Papst Franziskus: «Gehst Du, um jemand zu überzeugen, katholisch zu werden? Nein, nein, nein! Gehe, um ihm zu begegnen. Er ist dein Bruder (deine Schwester). Das allein genügt. Wenn Du ihm begegnest, dann macht Jesus den Rest.»

In diesem Zitat finden sich bereits die zwei zentralen Worte für Brunners Ausführungen: begegnen und Jesus. Begegnungen und Beziehungen spielten bei Jesus die zentrale Rolle, und diesen Missionsbegriff gelte es zurückzuholen. Die Missionare hatten im Süden mehr Gestaltungs- und Experimentierraum, während im Norden Sachbotschaften und Reglemente stärkeres Gewicht haben. Kleine kirchliche Gemeinschaften finden hier weniger Anklang. Rita Chen erzählte: «Im Schweizer Kirchensystem ist es schwierig, Unterstützung für die Mission der Chinesen- und Chinesinnen zu bekommen, weil nur wenige der erfassten Personen getauft sind oder werden.» Brunner unterstrich seine Aussagen mit einigen gesammelten «Missionarsweisheiten», z.B. «Wenn Du in der Mission angekommen bist, dann öffne die Augen, öffne die Ohren, aber schliesse den Mund». Was bedeutet das in einer Schweizer Pfarrei? Es begann ein Austausch mit Fragen und Argumenten: «Bedeutet das Reduzierung von Macht?» «Fehlt da nicht die Darstellung des christlichen Glaubens?» Martin Brunner argumentierte: «Beziehungen, die Leben spenden, sind Darstellung des christlichen Glaubens».

Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt für die Mission sei heute: Mission geht mich an. Wieder ein Zitat aus Afrika: «Die zwei Teile der Bibel sind: Du und Gott». Dass ich getauft bin, bedeutet nicht nur die Aufnahme in die Kirche, sondern die Hineinnahme in das gesamte Geschehen Jesu.

Brunner resümierte: Es komme viel zurück aus den Missionen. Er nannte Beispiele aus seiner SMB und BMI-Geschichte: «Gott ist immer vor dem Missionar da». «Der Missionar ist immer auf der Durchreise, ein Reisender». «Wer du bist, spricht mehr als was du sagst». Pastorale Mitarbeitende begeben sich deshalb zusammen mit den Gläubigen auf die Suche nach den Spuren Gottes in deren konkretem Alltag.
Es wurde weiter gefragt und diskutiert, auch beim anschliessenden Steh-Apero bei den Briefkästen: Wie würden neue Ausrichtungen von Mission wohl bei den Jungen ankommen? Denen sei das Gesamt der Kirche doch schnuppe. Eine gewisse Skepsis und Müdigkeit gegenüber der Erwartung auf Neues war spürbar. Dabei spielen wohl Vorerfahrungen eine Rolle, dass viele missionarische Impulse in der Vergangenheit den starken Rückgang von Kirche und Glaube in Europa nicht umkehren konnten.

Norbert Spiegler

Auf dem Lichterweg.

Am 31. Oktober um 19 Uhr versammelte sich ein wachsendes Grüppchen von Menschen beim Eingang zum Missionshaus.

Martin Jäggi begrüsste alle ganz herzlich und nach einem Probesingen (das nötig war) machten wir uns auf, aus der Hektik des Alltags (noch so richtig zu spüren als ein Velo vorbeiraste), in die lichtvolle Stille des Abends.

Den Lichtern am Weg folgend, gelockt von der Blasmusik beim Friedhof, bewegte sich die Gruppe still, in Gedanken versunken, meditierend, sinnierend, aufsteigend zum Friedhof.

Um ein Feuer versammelt fand dort eine besinnliche Feier, mit Gedenken an die Vorboten, an die ersten und ältesten SMB Mitglieder, an die Blutzeugen und auch alle anderen Zeugen (und Zeuginnen) des Glaubens, statt. Den im Vorfeld geübten Kehrvers wiederholend, hörten wir auf beeindruckende Worte: «Es kann wohl sein, dass wir das Anderssein der Anderen nicht als lichtvolle Bereicherung angenommen haben…». «Gott, der die Liebe ist, wird sich unserer Engherzigkeit erbarmen.»

In Stille gingen die meisten der 61 Anwesenden über die Gräber, in Gedanken verbunden mit den Vorboten, den Zeugen des Glaubens.

Alle waren wir noch eingeladen zu Tee und Kuchen. Es gab regen Austausch über ehemalige SMBler, über Gott und die Welt. Ein überaus gelungener Anlass. Allen die dafür gearbeitet haben (Elisabeth, Alex, Pablo, Martin, den Bläsern, der Hauswirtschaft) ein GROSSES DANKE!

Rita Inderbitzin